Golf-Lexikon
Chapman-Vierer
Kurz erklärt
Der Chapman-Vierer ist eine Spielform für Zweierteams. Beide Partner schlagen ab, dann spielt jeder den zweiten Schlag mit dem Ball des anderen. Danach wählt das Team einen der beiden Bälle aus und spielt ihn abwechselnd bis ins Loch. Pro Loch zählt ein Teamergebnis. Die Spielform heißt auch Pinehurst oder Chapman-System.
Was ist ein Chapman-Vierer?
Ein Vierer ist im Golf eine Spielform, bei der zwei Partner ein Team bilden und gemeinsam einen Ball spielen. Beim klassischen Vierer schlagen die beiden von Anfang an abwechselnd. Der Chapman-Vierer ist eine beliebte Abwandlung davon. Er beginnt mit zwei Bällen und endet mit einem.
Der Reiz liegt in der Mischung. Am Anfang des Lochs hat jedes Team zwei Chancen auf einen guten Start. Danach entscheiden die Partner gemeinsam, mit welchem Ball sie weiterspielen. Ab diesem Moment gilt die strenge Abwechslung wie im klassischen Vierer.
Dadurch ist der Chapman-Vierer etwas fehlerverzeihender als der klassische Vierer. Ein misslungener Abschlag ist nicht gleich das Ende des Lochs. Gleichzeitig verlangt die Spielform Teamarbeit und gute Absprachen. Deshalb wird der Chapman-Vierer gern bei Clubturnieren, Paarturnieren und gemischten Wettspielen gespielt, bei denen Damen und Herren zusammen antreten.
Chapman-Vierer Regeln: der Ablauf Schlag für Schlag
Der Ablauf ist immer gleich und lässt sich in vier Schritte teilen.
- Schritt 1: Beide Partner schlagen ab, jeder mit seinem eigenen Ball.
- Schritt 2: Die Partner tauschen die Bälle. Spieler A spielt den zweiten Schlag mit dem Ball von Spieler B, und B spielt den zweiten Schlag mit dem Ball von A.
- Schritt 3: Das Team wählt den besseren der beiden Bälle aus. Der andere Ball wird aufgenommen und zählt nicht mehr.
- Schritt 4: Mit dem gewählten Ball wird abwechselnd weitergespielt, bis er im Loch ist.
Wer macht den dritten Schlag? Das ist die häufigste Frage. Den dritten Schlag spielt der Partner, dessen zweiter Schlag nicht gewählt wurde. Das ist also der Spieler, der den gewählten Ball abgeschlagen hat. So bleibt die Abwechslung mit diesem Ball erhalten.
Als Teamergebnis zählen alle Schläge mit dem gewählten Ball, also Abschlag, zweiter Schlag und alle weiteren Schläge, plus eventuelle Strafschläge.
Beispiel aus der Praxis: ein Par-4-Loch im Chapman-Vierer
Anna und Ben spielen als Team ein Par 4 mit 340 Metern.
- Anna schlägt ab und trifft das Fairway. Ihr Ball liegt noch 150 Meter vor dem Grün.
- Ben schlägt ab, sein Ball landet im Rough, noch 170 Meter entfernt.
- Nun tauschen sie. Ben spielt Annas Ball vom Fairway und trifft das Grün. Anna spielt Bens Ball aus dem Rough, er landet kurz vor dem Grün.
- Das Team wählt den Ball auf dem Grün, also den Ball, den Anna abgeschlagen und Ben aufs Grün gespielt hat.
- Den dritten Schlag macht Anna, denn ihr zweiter Schlag wurde nicht gewählt. Sie puttet bis auf einen halben Meter heran.
- Ben locht mit dem vierten Schlag ein.
Das Team notiert 4 Schläge, also ein Par. Hätte das Team den Ball vor dem Grün gewählt, hätte Ben den dritten Schlag gemacht. Manche Teams nutzen das taktisch. Liegen beide Bälle ähnlich gut, wählen sie den Ball, bei dem der stärkere Spieler den nächsten Schlag hat.
Vorgabe beim Chapman-Vierer: so wird gerechnet
Weil das Team nur einen Ball ins Loch spielt, bekommt es nicht die volle Summe beider Vorgaben. Welcher Anteil gilt, legt die Ausschreibung des Turniers fest. Das World Handicap System nennt in Anhang C eine Empfehlung für diese Spielform.
- Der Partner mit der niedrigeren Vorgabe bringt 60 Prozent seiner Vorgabe ein.
- Der Partner mit der höheren Vorgabe bringt 40 Prozent seiner Vorgabe ein.
- Beide Werte werden addiert und erst danach gerundet.
Beispiel: Anna hat eine Vorgabe von 12, Ben von 28. Das ergibt 60 Prozent von 12, also 7,2, und 40 Prozent von 28, also 11,2. Zusammen sind das 18,4. Das Team spielt mit einer Vorgabe von 18.
Im Freundeskreis wird oft einfacher gerechnet, zum Beispiel mit der Hälfte der addierten Vorgaben. Bei offiziellen Turnieren gilt aber immer, was in der Ausschreibung steht. Ein Chapman-Vierer ist keine Einzelrunde und zählt deshalb nicht für Ihr persönliches Handicap.
Herkunft: Dick Chapman und Pinehurst
Die Spielform ist nach dem US-amerikanischen Amateurgolfer Dick Chapman benannt. Er gewann in den 1940er- und 1950er-Jahren mehrere große Amateurtitel, darunter die US Amateur und die British Amateur. Chapman verbrachte viel Zeit im Golfort Pinehurst in North Carolina. Dort entstand das Format, und deshalb ist es in den USA auch als Pinehurst bekannt. In den frühen 1950er-Jahren arbeitete Chapman mit dem US-amerikanischen Golfverband USGA zusammen, um die Spielform festzuschreiben und passende Vorgabenanteile zu bestimmen.
In Deutschland hat sich der Name Chapman-Vierer durchgesetzt. In englischsprachigen Ausschreibungen finden Sie meist die Bezeichnungen Chapman, Pinehurst oder American Foursomes. Gemeint ist jeweils derselbe Ablauf. Achten Sie trotzdem auf die Details in der Ausschreibung, denn manche Clubs verwenden kleine Hausvarianten.
Typische Fehler und Tipps für Ihr Team
Die meisten Fehler im Chapman-Vierer betreffen die Reihenfolge. Nach der Ballwahl gilt die Abwechslung wie im klassischen Vierer, und ein Schlag in der falschen Reihenfolge wird auch so bestraft. Im Zählspiel bekommt das Team zwei Strafschläge und muss den Fehler korrigieren. Im Lochspiel verliert es das Loch.
Diese Tipps helfen:
- Sprechen Sie vor dem dritten Schlag kurz ab, wer an der Reihe ist. Merksatz: Wer den gewählten Ball abgeschlagen hat, spielt den dritten Schlag.
- Markieren Sie Ihre Bälle unterschiedlich, damit Sie beim Tausch nicht durcheinanderkommen.
- Wählen Sie den Ball nicht nur nach der Entfernung. Eine gute Lage auf dem Fairway ist oft mehr wert als zehn Meter weniger aus dem Rough.
- Nehmen Sie den nicht gewählten Ball zügig auf, damit das Spieltempo stimmt.
- Nutzen Sie die Stärken im Team. Wenn ein Partner besser puttet, kann die Ballwahl beeinflussen, wer auf dem Grün schlägt.
Abgrenzung: Chapman-Vierer, Greensome und klassischer Vierer
Im Golf gibt es mehrere Vierer-Formen, die sich leicht verwechseln lassen.
- Klassischer Vierer: Die Partner schlagen von Anfang an abwechselnd. Einer schlägt an den ungeraden Löchern ab, der andere an den geraden.
- Greensome: Beide schlagen ab, das Team wählt den besseren Abschlag. Danach wird abwechselnd gespielt. Den zweiten Schlag macht der Partner, dessen Abschlag nicht gewählt wurde.
- Chapman-Vierer: Beide schlagen ab, beide spielen einen zweiten Schlag mit dem Ball des Partners. Erst dann wird gewählt.
- Kanadischer Vierer: Der Begriff wird nicht einheitlich verwendet. Häufig ist eine Form ähnlich dem Greensome gemeint. Maßgeblich ist die Ausschreibung.
Der Chapman-Vierer gibt dem Team also zwei Schläge Spielraum vor der Auswahl, das Greensome nur einen, der klassische Vierer keinen. Davon zu unterscheiden ist der Vierball-Bestball. Dort spielt jeder Partner das ganze Loch mit seinem eigenen Ball, und das bessere Ergebnis zählt.
Ausprobieren in der Golf Lounge
Im Golf Lounge Resort Hamburg in Moorfleet gibt es neben dem Resort Cup und Spaßturnieren auch Teamturniere, bei denen Sie im Team antreten. Welche Spielform gespielt wird, steht jeweils in der Ausschreibung des Turniers. Zum Üben zu zweit eignet sich der 9-Loch-Platz Schwarz mit Par 33. Sie spielen ihn mit Platzreife (DGV) von April bis Dezember und buchen Ihre Tee-Time online, mit bis zu vier Spielern pro Buchung.
Häufige Fragen
Wie funktioniert der Chapman-Vierer?
Beide Partner schlagen ab. Dann spielt jeder den zweiten Schlag mit dem Ball des anderen. Danach wählt das Team einen Ball aus und spielt ihn abwechselnd zu Ende. Der andere Ball wird aufgenommen. Pro Loch gibt es ein Teamergebnis, das alle Schläge mit dem gewählten Ball enthält.
Wer spielt beim Chapman-Vierer den dritten Schlag?
Den dritten Schlag spielt der Partner, dessen zweiter Schlag nicht gewählt wurde. Das ist der Spieler, der den gewählten Ball abgeschlagen hat. Danach geht es streng abwechselnd weiter. Wer in der falschen Reihenfolge schlägt, bekommt im Zählspiel zwei Strafschläge und verliert im Lochspiel das Loch.
Wie wird die Vorgabe beim Chapman-Vierer berechnet?
Das World Handicap System empfiehlt 60 Prozent der niedrigeren und 40 Prozent der höheren Vorgabe. Beide Werte werden addiert und dann gerundet. Bei Vorgaben von 12 und 28 ergibt das 7,2 plus 11,2, also 18,4 und damit eine Teamvorgabe von 18. Verbindlich ist immer die Turnierausschreibung.
Was ist der Unterschied zwischen Chapman-Vierer und Greensome?
Beim Greensome schlagen beide ab, und das Team wählt sofort den besseren Abschlag. Danach wird abwechselnd gespielt. Beim Chapman-Vierer spielen beide Partner zusätzlich noch einen zweiten Schlag mit dem Ball des anderen. Erst danach wählt das Team. Der Chapman-Vierer bietet also einen Schlag mehr Spielraum.
Stand: Oktober 2026