Golf-Lexikon
Kanadischer Vierer
Kurz erklärt
Der Kanadische Vierer ist eine Spielform für Zweierteams. Beide Partner schlagen ab, das Team wählt einen der beiden Abschläge, und der Partner, dessen Ball nicht gewählt wurde, spielt den zweiten Schlag. Danach schlagen beide abwechselnd bis ins Loch. Der Begriff wird nicht überall gleich verwendet, deshalb zählt die Ausschreibung.
Was ist ein Kanadischer Vierer im Golf?
Der Kanadische Vierer, auf Englisch Canadian Foursome oder Canadian Foursomes, gehört zu den Vierer-Spielformen. Zwei Partner bilden ein Team und spielen pro Loch nur einen gemeinsamen Ball ins Loch. Das Besondere ist der Start: Beide Partner schlagen zunächst ab, das Team sucht sich den besseren Abschlag aus, und der andere Ball wird aufgenommen. Von dort an wird abwechselnd gespielt.
Die Form liegt damit zwischen dem klassischen Vierer und dem Scramble. Wie beim klassischen Vierer entsteht ein einziger Ball, der abwechselnd geschlagen wird. Wie beim Scramble haben Sie am Anfang aber eine zweite Chance, weil das Team zwischen zwei Abschlägen wählen darf. Das nimmt den Druck vom ersten Schlag und macht die Spielform für gemischte Teams angenehm.
Wichtig zu wissen: „Kanadischer Vierer“ ist kein fest definierter Begriff aus den Golfregeln. Es wird in Clubs und Turnierausschreibungen unterschiedlich benutzt. Dazu mehr im Abschnitt über die Bedeutungen. Die Beschreibung auf dieser Seite folgt der häufigsten Auslegung, die dem Greensome sehr ähnlich ist.
Kanadischer Vierer Regeln: der Ablauf Schlag für Schlag
Der Ablauf ist an jedem Loch gleich und lässt sich in vier Schritten erklären.
- Schritt 1: Beide Partner schlagen vom Abschlag ab, jeder mit seinem eigenen Ball.
- Schritt 2: Das Team entscheidet gemeinsam, welcher Abschlag besser liegt. Dieser Ball bleibt im Spiel, der andere wird aufgenommen und zählt nicht.
- Schritt 3: Den zweiten Schlag macht der Partner, dessen Abschlag nicht gewählt wurde. Der Ball wird von der Stelle gespielt, an der der gewählte Abschlag liegt.
- Schritt 4: Ab jetzt schlagen die Partner abwechselnd, auch auf dem Grün beim Putten, bis der Ball im Loch liegt.
Auf der Scorekarte steht pro Loch ein einziges Teamergebnis. Die Reihenfolge der Schläge ergibt sich also jedes Mal neu: Wer den zweiten Schlag spielt, hängt davon ab, wessen Abschlag gewählt wurde. Wer danach den dritten Schlag macht, ist der Partner, der den zweiten nicht gespielt hat.
Die Golfregeln beschreiben den klassischen Vierer in Regel 22. Wichtige Grundsätze gelten auch hier: Schlägt ein Partner in der falschen Reihenfolge, gibt es eine Strafe. Strafschläge verändern die Reihenfolge nicht. Auch wenn ein Schlag mit einem Strafschlag verbunden war, schlägt anschließend wieder der Partner, der als Nächster an der Reihe ist. Das Abwechseln beim Putten wird oft vergessen, deshalb lohnt sich eine kurze Absprache vor dem Loch.
Beispiel aus der Praxis: ein Par-4-Loch im Kanadischen Vierer
Anna und Ben bilden ein Team und spielen ein Par-4-Loch mit 340 Metern. Anna schlägt ab und landet nach 190 Metern mitten auf dem Fairway. Ben schlägt weiter, liegt nach 215 Metern aber im Rough. Das Team wählt Annas Ball, weil er besser liegt.
Bens Ball ist nicht im Spiel, deshalb macht er den zweiten Schlag von Annas Position. Es sind noch 150 Meter bis zur Fahne, er spielt ein Eisen 7, und der Ball landet sechs Meter neben dem Loch auf dem Grün. Das war der zweite Schlag des Teams.
Jetzt ist Anna an der Reihe. Sie puttet den Ball bis auf 50 Zentimeter ans Loch, das ist Schlag drei. Ben locht den kurzen Putt als vierten Schlag ein. Das Team hat vier Schläge gebraucht, also ein Par.
Hätte Anna aus sechs Metern gelocht, wäre es ein Birdie mit drei Schlägen gewesen. Dieses Beispiel zeigt den Reiz der Spielform: Beide Partner tragen etwas bei, und ein guter Abschlag eines Partners kann die Fehler des anderen auffangen. Gleichzeitig ist der Druck groß, weil jeder Schlag der Teamkollegin oder des Teamkollegen direkt Ihr eigenes Ergebnis beeinflusst.
Vorgabe und Wertung im Kanadischen Vierer
Gespielt wird im Lochspiel, im Zählspiel oder nach Stableford. Wie bei allen Vierer-Formen kommt es darauf an, was die Ausschreibung vorgibt.
Da das Team nur einen Ball spielt, erhält es nicht die Summe beider Vorgaben. Das World Handicap System empfiehlt in Anhang C für Greensome-ähnliche Formen eine Gewichtung: 60 Prozent der niedrigeren und 40 Prozent der höheren Spielvorgabe. Beispiel: Anna hat 12, Ben hat 28. Das ergibt 60 Prozent von 12, also 7,2, und 40 Prozent von 28, also 11,2. Zusammen sind das 18,4, gerundet 18 Vorgabeschläge für das Team.
In Freundesrunden wird manchmal vereinfacht mit der Hälfte der addierten Vorgaben gerechnet. Bei offiziellen Turnieren gilt aber immer, was in der Ausschreibung steht. Fragen Sie im Zweifel vor dem Start nach.
Ein Kanadischer Vierer zählt nicht für das persönliche Handicap. Für das Handicap zählen nur Runden, in denen jeder Spieler alle Schläge mit dem eigenen Ball macht. In Deutschland sind das Einzelergebnisse, etwa aus Einzel-Zählspiel oder Stableford. Das ist hier nicht der Fall, denn Sie spielen gemeinsame Bälle. Der Spaßfaktor steht bei dieser Spielform im Vordergrund, nicht die Handicap-Verbesserung.
Ein Begriff, mehrere Bedeutungen: warum die Ausschreibung zählt
Der Name „Kanadischer Vierer“ führt häufig zu Missverständnissen, weil er nicht überall gleich benutzt wird. In vielen deutschsprachigen Clubs und englischsprachigen Quellen bedeutet er genau das, was oben beschrieben ist: beide schlagen ab, ein Abschlag wird gewählt, danach wird abwechselnd gespielt. Das entspricht dem Greensome.
Andere Clubs verwenden den Begriff für eine Variante, bei der beide Partner nach dem Abschlag zunächst den Ball des anderen spielen. Das erinnert an den Chapman-Vierer. Wieder andere nutzen das Wort einfach als Überbegriff für unterschiedliche Vierer-Spielformen mit gemeinsamer Ballwahl.
Deshalb sollten Sie vor dem Turnier die Ausschreibung lesen oder bei der Spielleitung nachfragen. Dort steht, wie der Begriff in diesem Turnier gemeint ist. Im Zweifel hilft eine einfache Frage: Wählt das Team nach dem Abschlag, und wer spielt dann den zweiten Schlag?
Wenn Sie selbst ein Turnier ausschreiben, beschreiben Sie den Ablauf in zwei oder drei Sätzen. Das spart Rückfragen und verhindert Streit am ersten Abschlag.
Taktik und Tipps für Ihr Team
Eine gute Aufteilung der Aufgaben hilft in dieser Spielform mehr als reine Spielstärke.
- Klären Sie die Reihenfolge vor dem Loch. Dann geht es zügiger, weil jeder weiß, wer den zweiten Schlag macht.
- Sicherheit zuerst: Der Partner, der den zweiten Schlag spielt, hat meist eine bessere Position als bei einem normalen Loch. Nutzen Sie das, um auf das Grün zu zielen.
- Wählen Sie den Ball mit der besseren Position für den nächsten Schlag, nicht automatisch den weitesten. Ein Ball auf dem Fairway ist besser als ein weiterer im Rough.
- Nutzen Sie die Stärken: Wer besser putten kann, sollte vor allem die kurzen Putts spielen. Wer besser die langen Eisen spielt, sollte bei langen Löchern den zweiten Schlag machen.
- Sprechen Sie sich ab, wer auf dem Grün zuerst puttet. Der erste Putt eines Partners zeigt dem zweiten die Linie.
Für Einsteiger ist die Spielform ideal, weil der Druck geteilt wird. Ein schlechter erster Schlag fällt oft nicht ins Gewicht, wenn der Partner einen guten Abschlag hat.
Abgrenzung: Kanadischer Vierer, Greensome, Chapman und Scramble
Alle diese Formen nutzen mindestens zum Start beide Bälle der Partner. Die Unterschiede liegen im Detail.
- Klassischer Vierer: Es gibt von Anfang an nur einen Ball. Die Partner schlagen abwechselnd, auch beim Abschlag. Das ist in Regel 22 geregelt.
- Kanadischer Vierer oder Greensome: Beide schlagen ab, das Team wählt einen Abschlag, danach wird abwechselnd gespielt.
- Chapman-Vierer: Beide schlagen ab, beide spielen einen zweiten Schlag mit dem Ball des Partners, erst danach wählt das Team einen Ball.
- Scramble: Alle Spieler eines Teams schlagen vor jedem Schlag, das Team wählt den besten Ball. Das geht den ganzen Weg bis zum Loch, nicht nur beim Abschlag.
- Vierball-Bestball: Jeder Partner spielt sein eigenes Loch, und das bessere Ergebnis zählt. Das ist in Regel 23 geregelt.
Der Kanadische Vierer ist also die einfachste Einstiegsform unter den Vierern mit Ballwahl. Wer zum ersten Mal in einem Zweierteam spielt, findet sich hier schnell zurecht.
Ausprobieren in der Golf Lounge
Im Golf Lounge Resort Hamburg in Moorfleet gibt es neben dem Resort Cup und Spaßturnieren auch Teamturniere. Welche Spielform dabei gilt, steht in der Ausschreibung des jeweiligen Turniers. Wer Vierer-Formen wie diese vorher zu zweit ausprobieren möchte, kann das auf dem 9-Loch-Platz Schwarz tun, der mit Platzreife (DGV) von April bis Dezember bespielbar ist. Tee-Times buchen Sie online, pro Buchung sind bis zu vier Spieler möglich.
Häufige Fragen
Was ist ein Kanadischer Vierer beim Golf?
Der Kanadische Vierer ist eine Spielform für zwei Partner. Beide schlagen ab, das Team wählt einen Abschlag, und der Partner, dessen Ball nicht gewählt wurde, spielt den zweiten Schlag. Danach schlagen beide abwechselnd bis ins Loch. Pro Loch zählt ein Teamergebnis. Der Begriff wird nicht einheitlich benutzt, deshalb gilt die Ausschreibung.
Was ist der Unterschied zwischen Kanadischem Vierer und Greensome?
Meist gibt es keinen Unterschied, denn beide Begriffe beschreiben denselben Ablauf: beide schlagen ab, das Team wählt einen Ball, danach wird abwechselnd gespielt. Manche Clubs nennen aber andere Varianten Kanadischer Vierer, zum Beispiel eine Form wie der Chapman-Vierer. Wie der Begriff gemeint ist, steht in der Turnierausschreibung.
Wie wird die Vorgabe im Kanadischen Vierer berechnet?
Das World Handicap System empfiehlt für Greensome-ähnliche Formen 60 Prozent der niedrigeren und 40 Prozent der höheren Spielvorgabe. Beispiel: Bei Vorgaben von 12 und 28 ergibt das 7,2 plus 11,2, also gerundet 18 Schläge für das Team. Verbindlich ist aber immer die Ausschreibung des Turniers.
Zählt ein Kanadischer Vierer fürs Handicap?
Nein. Für das Handicap zählen nur Runden, in denen jeder Spieler alle Schläge mit seinem eigenen Ball macht. Im Kanadischen Vierer spielen die Partner gemeinsame Bälle. Deshalb ist die Runde nicht vorgabewirksam. Sie verbessert Ihr persönliches Handicap nicht und verschlechtert es auch nicht.
Stand: Oktober 2026