Golf-Lexikon
Strokes Gained
Kurz erklärt
Strokes Gained ist eine Golf-Kennzahl, die für jeden Schlag misst, wie viele Schläge er im Vergleich zu einem Referenzwert gewinnt oder verliert. Der Referenzwert ist die durchschnittliche Zahl an Schlägen, die ein Spieler von der jeweiligen Lage und Entfernung bis zum Loch braucht. So lässt sich der Beitrag von Abschlag, Annäherung, kurzem Spiel und Putten getrennt bewerten.
Strokes Gained im Golf: Bedeutung einfach erklärt
Klassische Statistiken wie Fairways getroffen oder Putts pro Runde zeigen nur einen Ausschnitt. Wer 30 Putts spielt, hat nicht automatisch gut geputtet. Vielleicht lagen die Bälle auch nur selten weit vom Loch entfernt. Strokes Gained löst dieses Problem mit einem Vergleichswert.
Die Idee ist einfach: Für jede Lage auf dem Platz gibt es eine durchschnittliche Zahl an Schlägen bis zum Loch. Vom Abschlag eines durchschnittlich langen Par-4-Lochs liegt er für Tour-Profis bei rund vier Schlägen. Aus drei Metern Entfernung auf dem Grün liegt er bei etwa eineinhalb bis zwei. Ein Schlag gewinnt Schläge, wenn er die Erwartung für den nächsten Schlag stärker senkt als einen Schlag kostet. Er verliert Schläge, wenn er weniger bringt.
Ein positiver Wert bedeutet also: besser als der Referenzwert. Ein negativer Wert heißt: schlechter. Weil jeder Schlag einzeln bewertet wird, lässt sich ein Ergebnis in Bereiche zerlegen und zeigen, wo Sie wirklich Schläge gewinnen oder verlieren.
So wird Strokes Gained berechnet: ein Rechenbeispiel
Die Formel für einen einzelnen Schlag lautet: Erwartungswert vor dem Schlag minus Erwartungswert nach dem Schlag minus eins. Die Eins ist der Schlag selbst. Ist das Ergebnis positiv, haben Sie Schläge gewonnen.
Ein vereinfachtes Beispiel auf einem Par-4-Loch (die Erwartungswerte sind hier nur zur Veranschaulichung gewählt):
- Abschlag: Erwartungswert vom Tee 4,0. Der Ball liegt auf dem Fairway, Erwartungswert 2,9. Rechnung: 4,0 minus 2,9 minus 1 gleich plus 0,1.
- Annäherung: Start 2,9. Der Ball bleibt drei Meter vor dem Loch, Erwartungswert 1,6. Rechnung: 2,9 minus 1,6 minus 1 gleich plus 0,3.
- Putt: Start 1,6. Der Ball fällt, Erwartungswert danach 0. Rechnung: 1,6 minus 0 minus 1 gleich plus 0,6.
Zusammen ergibt das plus 1,0. Das passt: Das Par 4 wurde mit drei Schlägen gespielt, also ein Birdie, und der Ausgangswert war 4,0. Die Summe aller Schläge einer Bahn ist immer Referenzwert minus tatsächliche Schlagzahl.
Die echten Erwartungswerte stammen aus Datenbanken mit sehr vielen Schlägen. Sie unterscheiden Lagen wie Abschlag, Fairway, Rough, Sand und Grün sowie die Entfernung zum Loch.
Die vier Bereiche: Abschlag, Annäherung, kurzes Spiel, Putten
Strokes Gained wird meist in vier Bereiche aufgeteilt. Jeder Schlag der Runde gehört zu genau einem davon.
- Off the Tee: Abschläge auf Par-4- und Par-5-Löchern. Hier zählen Länge, aber auch die Lage nach dem Schlag.
- Approach: Annäherungsschläge zum Grün, meist aus mehr als rund 27 Metern (30 Yards) Entfernung vom Grünrand, und auch Abschläge auf Par-3-Löchern.
- Around the Green: Schläge in der Nähe des Grüns, also innerhalb von rund 27 Metern zum Grünrand, etwa Chips, Pitches und Bunkerschläge.
- Putting: Alle Schläge auf dem Grün.
Zusammen ergeben die vier Werte das Gesamtergebnis. Zusätzlich gibt es Zusammenfassungen: Tee to Green fasst die ersten drei Bereiche zusammen. Die Tour-Statistiken nutzen diese Aufteilung seit vielen Jahren.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Statt „Ich putte schlecht“ sehen Sie, ob Sie auf dem Grün tatsächlich Schläge verlieren oder ob die schlechten Putts eine Folge schwacher Annäherungen waren. Bei Amateuren zeigt sich oft, dass die meisten Schläge vor dem Grün verloren gehen.
Herkunft: Mark Broadie und die PGA Tour
Die Methode geht auf den Wissenschaftler Mark Broadie von der Columbia Business School zurück. Er wertete Daten von Golfschlägen aus und baute daraus Erwartungswerte für jede Lage. In seinem Buch „Every Shot Counts“ beschreibt er die Methode auch für Hobbyspieler.
Die amerikanische PGA Tour führte 2011 die Statistik Strokes Gained: Putting ein. Grundlage sind die Daten des Messsystems ShotLink, das auf Turnieren Position und Entfernung jedes Schlags erfasst. In den Jahren danach wurde die Idee auf weitere Bereiche des Spiels ausgedehnt: Abschlag, Annäherung und kurzes Spiel.
Heute nutzen viele Profis und Trainer diese Zahlen, um Schwächen zu finden. Auch für Amateure gibt es Apps und Sensoren, die Schläge erfassen und einen eigenen Vergleichswert berechnen.
Wichtig: Der Referenzwert hängt davon ab, womit man sich vergleicht. Auf der Tour ist es der Durchschnitt der Tour-Profis. Für Amateure gibt es Vergleichswerte nach Handicap-Gruppe. Ein Plus beim Putten bedeutet daher etwas anderes, je nachdem, welcher Vergleichswert zugrunde liegt.
Was Strokes Gained Amateuren bringt
Für Freizeitspieler ist Strokes Gained vor allem ein Werkzeug, um das Training zu steuern. Wer weiß, in welchem Bereich er die meisten Schläge verliert, kann gezielt üben, statt alles gleichmäßig zu trainieren.
Broadie hat in seinen Auswertungen gezeigt, dass Amateure häufig im langen Spiel, also bei Abschlag und Annäherung, den größten Anteil ihrer verlorenen Schläge haben. Dazu zählen Bälle ins Aus, ins Wasser und in tiefes Rough. Das Putten ist wichtig, aber nicht immer der Hauptgrund für ein hohes Ergebnis. Für viele Spieler ist es daher sinnvoll, zuerst Fehlschläge mit Strafschlag zu vermeiden.
Ein praktisches Beispiel: Sie spielen 90 Schläge. Ein Blick in die Daten zeigt, dass Sie auf 6 Bahnen einen Strafschlag hatten, dazu viele Annäherungen, die das Grün deutlich verfehlt haben. Der Putter war gar nicht das Problem. Ohne Daten hätten Sie vielleicht zwei Wochen nur geputtet.
Strokes Gained ersetzt kein Training, es zeigt aber den Weg dorthin.
Grenzen und Missverständnisse
Strokes Gained ist kein Allheilmittel. Einige Punkte sollten Sie kennen:
- Datenmenge: Aussagekräftig wird die Kennzahl erst über viele Runden. Ein einzelnes Ergebnis kann stark vom Zufall abhängen.
- Genauigkeit der Daten: Entfernungen und Lagen müssen für jeden Schlag erfasst werden. Ungenaue Messungen verfälschen das Bild.
- Referenzwert: Die Zahl ist immer relativ zu einer Vergleichsgruppe. Plus 0,5 heißt nur, dass Sie um einen halben Schlag besser waren als diese Gruppe.
- Keine Ursache: Die Kennzahl zeigt, wo Schläge verloren gehen, nicht warum. Ob Schwung, Schlägerwahl oder Entscheidung die Ursache sind, muss ein Trainer klären.
- Nicht jeder Schlag ist gleich schwer: Ein Putt aus acht Metern bringt bei einem Treffer viel, bei einem Fehlversuch aber nur wenig Verlust.
Missverständlich ist auch der Name. Strokes Gained bedeutet nicht, dass Sie am Ende der Runde Schläge „gutgeschrieben“ bekommen. Es ist eine reine Analysezahl und beeinflusst weder das Ergebnis noch das Handicap.
So starten Sie ohne Technik
Sie brauchen für den Anfang weder eine App noch einen Sensor. Mit einer einfachen Scorekarte lassen sich aussagekräftige Hinweise sammeln:
- Notieren Sie pro Bahn die Zahl der Putts.
- Markieren Sie, ob Fairway und Grün getroffen wurden.
- Halten Sie Strafschläge und Bunkerlagen fest.
- Vermerken Sie, wie oft Sie nach einem verfehlten Grün Par gerettet haben.
Nach fünf Runden erkennen Sie Muster. Verlieren Sie viele Schläge durch Strafschläge? Dann ist der Abschlag das Thema. Treffen Sie wenige Grüns? Dann trainieren Sie die Annäherung. Haben Sie viele Dreiputts? Dann ist Putten der Hebel.
Später können Sie mit Messdaten genauer werden. Radarmessgeräte wie TrackMan liefern pro Schlag Werte wie Fluglänge, Streuung und Schlägerkopfgeschwindigkeit. Diese Daten helfen, die eigenen Schlagweiten zu kennen. Das ist die Basis für gute Entscheidungen auf dem Platz.
Ausprobieren in der Golf Lounge
Gute Statistik beginnt mit Messwerten. In der Golf Lounge Resort Hamburg arbeitet TrackMan III mit Radar-Ballflugmessung, wie sie auch auf der Profi-Tour üblich ist, an jedem Abschlagplatz und in den Simulator-Boxen. Sie sehen unter anderem Startwinkel, Abfluggeschwindigkeit, Schlägerkopfgeschwindigkeit, Fluglänge und Spin. Wer seine Schlagweiten kennt, trifft auf dem Platz bessere Entscheidungen. Die Range bietet 32 Abschlagplätze auf zwei Ebenen.
Häufige Fragen
Was bedeutet Strokes Gained im Golf?
Strokes Gained misst für jeden Schlag, wie viele Schläge er im Vergleich zu einem Referenzwert gewinnt oder verliert. Der Referenzwert ist die durchschnittliche Schlagzahl, die ein Spieler aus der jeweiligen Lage und Entfernung bis zum Loch braucht. Plus heißt besser, minus heißt schlechter als der Vergleich.
Wie wird Strokes Gained berechnet?
Für jeden Schlag gilt: Erwartungswert vor dem Schlag minus Erwartungswert danach minus eins. Die Summe aller Schläge einer Bahn ergibt Referenzwert minus tatsächliche Schlagzahl. Die Erwartungswerte stammen aus großen Datenbanken und unterscheiden Lage und Entfernung.
Was sind die vier Strokes-Gained-Bereiche?
Off the Tee für Abschläge, Approach für Annäherungen zum Grün, Around the Green für Chips, Pitches und Bunkerschläge sowie Putting für alle Schläge auf dem Grün. Zusammen ergeben sie das Gesamtergebnis. So sehen Sie, in welchem Bereich Sie Schläge gewinnen oder verlieren.
Wer hat Strokes Gained erfunden?
Die Methode geht auf Mark Broadie von der Columbia Business School zurück. Die PGA Tour führte 2011 Strokes Gained: Putting ein, später kamen weitere Bereiche hinzu. Broadie hat die Methode in seinem Buch „Every Shot Counts“ auch für Amateure beschrieben.
Kann ich als Hobbygolfer Strokes Gained nutzen?
Ja, mit Einschränkungen. Genaue Strokes-Gained-Werte brauchen Entfernungsdaten für jeden Schlag, die Apps und Sensoren liefern. Für den Einstieg reichen einfache Notizen zu Putts, Fairways, Grüns und Strafschlägen. Daraus erkennen Sie bereits, in welchem Bereich Sie die meisten Schläge verlieren.
Stand: Oktober 2026