Golf-Lexikon
Schwungtempo
Kurz erklärt
Das Schwungtempo beschreibt das zeitliche Verhältnis der Schwungphasen, vor allem von Rückschwung zu Abschwung. Es ist nicht dasselbe wie die Schwunggeschwindigkeit. Zwei Spieler können unterschiedlich schnell schwingen und trotzdem dasselbe Tempo haben, wenn das Verhältnis ihrer Phasen gleich bleibt. Ein gleichmäßiges Tempo gilt als Grundlage für wiederholbare Treffer.
Schwungtempo im Golf: Bedeutung und Abgrenzung
Im Golf werden drei Begriffe oft vermischt: Schwungtempo, Schwunggeschwindigkeit und Rhythmus.
Das Schwungtempo ist das Zeitverhältnis zwischen den Phasen. Meist wird die Dauer des Rückschwungs mit der Dauer des Abschwungs verglichen. Ein Verhältnis von 3 zu 1 bedeutet: Der Rückschwung dauert dreimal so lange wie der Abschwung.
Die Schwunggeschwindigkeit ist dagegen die Geschwindigkeit des Schlägerkopfes, angegeben zum Beispiel in Kilometern pro Stunde. Sie sagt, wie schnell der Schläger im Treffmoment ist. Mehr dazu unter Schlägerkopfgeschwindigkeit.
Der Rhythmus ist das Gefühl für den Ablauf des Schwungs, also ob er fließend wirkt oder ruckartig. Er ist stärker subjektiv als die beiden anderen.
Für das Spiel zählt vor allem, dass das Tempo gleichmäßig bleibt. Ein Spieler kann langsam oder schnell schwingen, entscheidend ist, dass er jeden Schlag mit demselben Ablauf spielt. Das erleichtert das Treffen des Balls, weil sich Körper und Schläger aufeinander einstellen können.
Wer sein Tempo kennt, kann Fehler besser erklären: Viele schlechte Schläge haben weniger mit der Technik zu tun als mit einem Tempo, das gerade nicht passt.
Das 3:1-Verhältnis: Was Untersuchungen über gute Spieler zeigen
Bekannt wurde das 3:1-Verhältnis durch das Trainingskonzept „Tour Tempo“ des Amerikaners John Novosel. Er wertete Videoaufnahmen von Tourspielern aus und beschrieb, dass viele von ihnen ein ähnliches Zeitverhältnis zeigten. Der Rückschwung bis zum Umkehrpunkt dauert ungefähr dreimal so lange wie der Abschwung bis zum Treffmoment. Daraus entstanden Übungen mit Taktsignalen, die den Rhythmus vorgeben.
Gezählt wurde in Videobildern. Ein häufig genanntes Beispiel ist 24 zu 8 Bilder. Bei 30 Bildern pro Sekunde entspricht das einem Rückschwung von etwa 0,8 Sekunden und einem Abschwung von etwa 0,27 Sekunden. Die Gesamtdauer ist also nicht für alle gleich: Es gibt langsamere und schnellere Spieler. Das Verhältnis bleibt aber ähnlich.
Für Schläge in Grünnähe beschreibt das Konzept ein anderes Muster. Dort soll das Verhältnis eher bei 2 zu 1 liegen, weil der Rückschwung kürzer ist.
Wichtig für Sie: Das Verhältnis ist ein Orientierungswert. Es ist keine Garantie für gute Schläge und kein Gesetz der Golfregeln. Es hilft Ihnen aber zu erkennen, ob Ihr Abschwung im Vergleich zum Rückschwung zu hastig oder zu zögerlich ist.
Beispiel aus der Praxis: Tempo auf der Range finden
Stellen Sie sich einen Spieler vor, der bei Eisen 7 einmal solide und dann wieder schlecht trifft. Seine Technik ist grundsätzlich in Ordnung, nur variiert er das Tempo.
Auf der Range testet er mit einem einfachen Zählrhythmus. Beim Rückschwung zählt er langsam „eins, zwei, drei“, bei „drei“ ist der Schläger oben, und mit „vier“ trifft er den Ball. Der Ball fliegt gleichmäßiger, weil der Abschwung nicht mehr hastig beginnt.
Danach schlägt er zehn Bälle mit diesem Rhythmus und notiert für jeden die Schlägerkopfgeschwindigkeit und die Flugweite. Die Werte streuen jetzt weniger. Seine Weite ist kaum gesunken, weil der Treffmoment sauberer geworden ist.
Der Spieler zieht daraus die Regel: Tempo vor Kraft. Er verbessert zuerst die Gleichmäßigkeit und steigert erst danach vorsichtig die Geschwindigkeit.
Das Beispiel zeigt, warum viele Trainer vor allem bei Einsteigern die Gleichmäßigkeit höher bewerten als die Länge der Schläge. Ein sauber getroffener Ball mit etwas weniger Kraft fliegt oft weiter als ein hastig geschlagener mit voller Kraft.
Typische Fehler beim Schwungtempo
Beim Tempo machen Spieler einige typische Fehler.
Der Ruck am Umkehrpunkt: Der Abschwung beginnt, bevor der Rückschwung beendet ist. Der Schläger wird aus dem höchsten Punkt „geworfen“. Das kostet die Ordnung der Bewegung und führt oft zu einem Schlag über die Spitze.
Zu langsamer Abschwung: Der Spieler bremst vor dem Treffmoment ab, aus Angst vor einem Fehlschlag. Der Ball verliert an Weite, die Schlagfläche wird oft unsicher.
Überhastete Routine: Wer vor dem Schlag schnell ansprechen und sofort schwingen will, startet oft mit zu viel Spannung. Eine feste Routine vor dem Schlag hilft. Mehr dazu unter Pre-Shot-Routine.
Zu viel Kraft: Je härter ein Spieler zuschlägt, desto mehr Spannung entsteht in Armen und Schultern. Der Schwung wird kürzer und hektischer.
Wechselndes Tempo je Schläger: Mit dem Driver schwingt mancher aggressiver als mit dem Eisen. Das ist an sich in Ordnung, solange das Verhältnis der Phasen gleich bleibt.
Vergleiche mit anderen: Das Tempo ist persönlich. Wer das Tempo eines Profis kopiert, ohne Beweglichkeit und Körper zu beachten, kommt oft aus dem Rhythmus.
Übungen für ein gleichmäßiges Schwungtempo
Diese Übungen helfen, ein stabiles Tempo zu entwickeln.
Übung 1, der Zählrhythmus: Zählen Sie im Rückschwung langsam bis drei und lassen Sie den Abschwung bei „vier“ folgen. Mit der Zeit übertragen Sie das Gefühl, ohne laut zu zählen.
Übung 2, das Metronom: Stellen Sie mit einer Metronom-App einen gleichmäßigen, eher schnellen Takt ein. Starten Sie den Rückschwung auf einem Schlag, erreichen Sie den höchsten Punkt drei Schläge später und treffen Sie den Ball beim nächsten Schlag. So ergibt sich ein Verhältnis von 3 zu 1. Passen Sie den Takt an, bis er sich natürlich anfühlt.
Übung 3, die Füße zusammen: Spielen Sie Bälle mit eng zusammenstehenden Füßen. Mit schmalem Stand bleiben Sie nur im Gleichgewicht, wenn Sie nicht hastig schwingen.
Übung 4, die Leiter: Schlagen Sie mit ein und demselben Schläger Bälle mit 50, 70 und 90 Prozent Kraft, ohne das Tempo des Rhythmus zu verändern. Die Weite verändert sich über die Länge des Schwungs, nicht über das Tempo.
Übung 5, die Messwerte: Notieren Sie nach einem Block von zehn Bällen die Streuung der Weite. Je gleichmäßiger Ihr Tempo, desto enger liegen die Werte beieinander.
Tempo und Schlägerlänge, Wetter und Situation
Das Tempo bleibt nicht in jeder Situation gleich, aber das Ziel ist ein vertrauter Ablauf.
Mit kurzen Schlägen und Putts ist der Rückschwung kürzer. Das Verhältnis der Phasen liegt dort nach dem Konzept Tour Tempo eher bei etwa 2 zu 1. Der Schwung wirkt ruhiger, weil weniger Weg zurückgelegt wird.
Mit dem Driver fühlen sich viele Spieler schneller. Das ist normal, solange der Abschwung nicht überhastet beginnt. Nützlich ist die Vorstellung, den Driver mit dem gleichen Gefühl zu schwingen wie ein Eisen 7, nur mit etwas breiterem Stand.
Bei Wind, Kälte und Nervosität verändert sich das Tempo oft unbewusst. In kalten Monaten sind Muskeln weniger beweglich, der Schwung wird kürzer und schneller. Ein kurzes Aufwärmen mit langsamen Schwüngen zahlt sich aus.
Auch im Turnier ändert sich das Tempo. Unter Druck neigen viele Spieler zu einem hastigen Abschwung. Wer seinen Zählrhythmus kennt, kann ihn in solchen Momenten als Anker nutzen.
Mehr zur Technik des Schwungs finden Sie im Eintrag zum Golfschwung.
Ausprobieren in der Golf Lounge
An der TrackMan Range im Golf Lounge Resort Hamburg sehen Sie nach jedem Schlag Werte wie Ballgeschwindigkeit, Carry und Streuung. So erkennen Sie, ob ein gleichmäßigeres Tempo Ihre Ergebnisse verbessert. Die Range hat 32 Abschlagplätze auf zwei Ebenen und ist überdacht, beheizbar und ganzjährig nutzbar. In der Einzelstunde mit einem PGA Pro klären Sie Ihr Tempo gemeinsam mit Schwunganalyse auf Basis von TrackMan-Daten, ergänzend steht V1 Pro Videoanalyse zur Verfügung.
Häufige Fragen
Was ist das ideale Schwungtempo im Golf?
Es gibt kein ideales Tempo für alle. Als Orientierung nennt das Trainingssystem Tour Tempo für viele erfolgreiche Spieler ein Verhältnis von etwa 3 zu 1: Der Rückschwung dauert dreimal so lange wie der Abschwung. Das Gesamttempo kann sich unterscheiden. Entscheidend ist, dass Ihr eigener Ablauf bei jedem Schlag gleich bleibt.
Was ist der Unterschied zwischen Schwungtempo und Schwunggeschwindigkeit?
Das Schwungtempo beschreibt das Zeitverhältnis der Schwungphasen, vor allem von Rück- und Abschwung. Die Schwunggeschwindigkeit ist die Geschwindigkeit des Schlägerkopfes im Treffmoment. Zwei Spieler können gleich viel Tempo, aber sehr unterschiedliche Geschwindigkeit haben. Gutes Tempo erleichtert den sauberen Treffer, Geschwindigkeit bringt Weite.
Wie verbessere ich mein Schwungtempo?
Üben Sie mit einem Zählrhythmus oder einem Metronom, zum Beispiel bis drei im Rückschwung und vier beim Treffen. Spielen Sie Bälle mit zusammenstehenden Füßen, um ein hastiges Schwingen zu bremsen. Beobachten Sie nach zehn Schlägen die Streuung der Weiten. Ein Trainer kann mit Messdaten zeigen, wie gleichmäßig Ihr Tempo ist.
Soll ich langsamer schwingen, um besser zu treffen?
Nicht jedem hilft ein langsameres Tempo. Meist hilft ein gleichmäßigeres. Zu hastige Schwünge verlieren die Ordnung, zu zögerliche bremsen vor dem Treffmoment ab. Probieren Sie als Orientierung etwa 80 Prozent Ihrer Kraft aus und achten Sie auf einen fließenden Übergang vom Rück- in den Abschwung. Oft steigt dabei die Trefferquote, die Weite bleibt ähnlich.
Stand: Oktober 2026