Golf-Lexikon
Netto-Doppelbogey
Kurz erklärt
Das Netto-Doppelbogey ist das höchste Lochergebnis, das für die Handicap-Berechnung gewertet wird. Es berechnet sich aus Par plus 2 Schläge plus den Handicap-Schlägen, die Sie auf diesem Loch bekommen. Brauchen Sie mehr Schläge, zählt trotzdem nur dieser Wert. So schützt die Regel den Handicap-Index vor einzelnen Ausreißern.
Was ist ein Netto-Doppelbogey?
Ein Doppelbogey ist ein Ergebnis von zwei Schlägen über Par. Netto bedeutet, dass Ihre Handicap-Schläge mit eingerechnet werden. Das Netto-Doppelbogey ist also der Wert, bei dem Sie nach Abzug Ihrer Vorgabe zwei Schläge über Par liegen.
Die Formel ist einfach: Par plus 2 plus Handicap-Schläge auf diesem Loch. Auf einem Par-4-Loch, auf dem Sie einen Handicap-Schlag bekommen, ergibt das 4 + 2 + 1 = 7. Haben Sie dort zwei Handicap-Schläge, sind es 8.
Die Regel gehört zum World Handicap System und steht in den Handicap-Regeln von R&A und USGA in Regel 3.1. In Deutschland wendet sie der DGV an. Er nennt das Ergebnis nach der Begrenzung gewertetes Bruttoergebnis, kurz GBE. Das Netto-Doppelbogey ist damit der Deckel, der für jedes Loch gilt. Er gilt nur für die Handicap-Berechnung. Für die Wertung im Turnier zählt weiterhin die tatsächlich gespielte Schlagzahl.
Wozu gibt es das Netto-Doppelbogey?
Ein Handicap soll zeigen, wie gut Sie spielen können, nicht wie schlecht Sie an einem schlechten Loch spielen. Ein Ball im Wasser, drei Versuche im Bunker und ein Dreiputt können auf einer Bahn 12 oder 13 Schläge kosten. Ohne Begrenzung würde ein einziges solches Loch die Runde und damit den Handicap-Index stark verfälschen.
Das Netto-Doppelbogey macht das Handicap fairer und verlässlicher. Es begrenzt den Einfluss eines Ausreißers, ohne ihn ganz zu streichen. Jedes Loch zählt weiter, nur eben mit einem Höchstwert. Das schützt vor allem Einsteiger. Bei ihnen kommen solche Löcher häufiger vor.
Dazu kommt ein Nebeneffekt. Der Wert entspricht genau der niedrigsten Schlagzahl, bei der Sie im Stableford null Punkte bekommen. Wer das Loch deshalb abbricht und den Ball aufhebt, verliert für das Handicap nichts. Das beschleunigt das Spiel.
So berechnen Sie das Netto-Doppelbogey Schritt für Schritt
Für die Berechnung brauchen Sie drei Angaben: das Par des Lochs, Ihre Spielvorgabe und die Lochvorgabe auf der Scorekarte. Die Lochvorgabe, oft als HCP oder Stroke Index gedruckt, ordnet jedem Loch eine Rangzahl von 1 bis 18 zu. Das Loch mit Lochvorgabe 1 gilt als das schwerste.
Schritt 1: Spielvorgabe bestimmen. Sie lesen sie auf der Anlage in der Course-Handicap-Tabelle ab. Für die Regel zählt Ihre volle Spielvorgabe, nicht ein verringerter Anteil, den ein Turnier eventuell vorgibt.
Schritt 2: Handicap-Schläge verteilen. Bei Spielvorgabe 24 bekommen Sie auf jedem Loch einen Schlag, auf den Löchern mit Lochvorgabe 1 bis 6 einen zweiten. Bei Spielvorgabe 12 bekommen Sie einen Schlag auf den Löchern mit Lochvorgabe 1 bis 12.
Schritt 3: Formel anwenden. Par plus 2 plus Ihre Handicap-Schläge auf diesem Loch.
Beispiele bei Spielvorgabe 24:
- Par 4, Lochvorgabe 3, zwei Schläge: 4 + 2 + 2 = 8
- Par 4, Lochvorgabe 12, ein Schlag: 4 + 2 + 1 = 7
- Par 3, Lochvorgabe 15, ein Schlag: 3 + 2 + 1 = 6
- Par 5, Lochvorgabe 5, zwei Schläge: 5 + 2 + 2 = 9
Beispiel aus der Praxis: Eine Runde mit zwei Ausreißern
Sie haben Spielvorgabe 24 und spielen eine Runde mit Par 72. Am Ende stehen 104 Schläge auf Ihrer Karte. Zwei Löcher waren besonders schlecht:
- Loch 3, Par 4, Lochvorgabe 2: Sie brauchen 11 Schläge. Das Netto-Doppelbogey liegt bei 4 + 2 + 2 = 8. Gewertet werden 8, also 3 Schläge weniger.
- Loch 10, Par 5, Lochvorgabe 9: Sie brauchen 9 Schläge. Das Netto-Doppelbogey liegt bei 5 + 2 + 1 = 8. Gewertet werden 8, also 1 Schlag weniger.
Ihr gewertetes Bruttoergebnis beträgt 104 − 3 − 1 = 100. Mit Course Rating 71,2 und Slope 128 ergibt sich ein Score Differential von (113 / 128) × (100 − 71,2) = 25,4. Ohne die Begrenzung wären es (113 / 128) × (104 − 71,2) = 29,0. Das Netto-Doppelbogey senkt Ihr Score Differential damit um gut 3,5 Schläge.
Für das Turnier gilt dagegen die echte Schlagzahl. Im klassischen Zählspiel stehen weiterhin 104 Schläge, im Stableford 0 Punkte auf den beiden Löchern.
Netto-Doppelbogey und Stableford: der Zusammenhang
Beim Stableford zählen Sie Punkte statt Schläge: Netto-Par bringt zwei Punkte, Netto-Bogey einen Punkt, Netto-Doppelbogey oder schlechter null Punkte. Das Netto-Doppelbogey ist also genau der Wert, ab dem Punkte nicht mehr möglich sind.
Deshalb dürfen Sie im Stableford den Ball aufheben, sobald Sie auf einem Loch keinen Punkt mehr holen können. Ihr Ergebnis auf dem Loch lässt sich dann für die Handicap-Berechnung wie ein Netto-Doppelbogey behandeln. Auf diese Weise haben Sie weder im Turnier noch im Handicap Nachteile, und Sie sparen Zeit.
Wichtig: Im klassischen Zählspiel gilt diese Möglichkeit nicht. Dort müssen Sie jedes Loch beenden. Die Spielform Maximum Score, die nach Regel 21.2 der Golfregeln möglich ist, begrenzt dagegen die Lochergebnisse im Turnier selbst. Die Spielleitung kann dafür zum Beispiel das Netto-Doppelbogey als Höchstwert festlegen. Bei der Handicap-Berechnung wird das Ergebnis dann ohnehin gekappt.
Sonderfälle: ohne Handicap, hohe Spielvorgabe, neun Löcher
Einige Fälle weichen von der Grundformel ab.
Haben Sie noch keinen Handicap-Index und reichen Ihre ersten Ergebnisse ein, gilt für jedes Loch höchstens Par plus 5. Das kommt in Deutschland eher selten vor, weil Einsteiger nach der Platzreife meist mit Handicap 54 starten.
Bei einer Spielvorgabe über 54 gilt: Wer auf einem Loch vier oder mehr Handicap-Schläge bekommt, wird auf Par plus 5 begrenzt. Ein solcher Fall kommt auf schweren Plätzen vor.
Nicht beendete Löcher werden ebenfalls als Netto-Doppelbogey eingetragen. Das gilt auch für Löcher, die Sie im Turnier streichen mussten. Der DGV spricht dann von Streichlöchern.
Bei Runden über neun Löcher gilt die Regel für die neun gespielten Löcher. Das System rechnet das Ergebnis danach auf 18 Löcher hoch. Verwenden Sie in diesem Fall die Spielvorgabe für neun Löcher, die auf der Anlage ausgehängt ist.
Typische Fehler und Missverständnisse
Rund um das Netto-Doppelbogey passieren immer wieder dieselben Irrtümer:
- Netto-Doppelbogey und Doppelbogey verwechseln. Ein Doppelbogey ist Par plus 2. Das Netto-Doppelbogey enthält zusätzlich Ihre Handicap-Schläge.
- Die Handicap-Schläge falsch verteilen. Welche Löcher einen Schlag bekommen, richtet sich nach der Lochvorgabe, nicht nach der Reihenfolge der Bahnen.
- Den Deckel für das Turnier halten. Er gilt für das Handicap. Im Zählspiel zählt Ihre echte Schlagzahl.
- Ein reduziertes Playing Handicap nehmen. Für die Regel zählt die volle Spielvorgabe.
- Meinen, ein Ausreißer werde gestrichen. Er zählt weiter, nur begrenzt.
Tipp: Viele Scorekarten-Apps und die Club-Software berechnen das Netto-Doppelbogey automatisch. Sie müssen es also nicht jedes Mal selbst rechnen. Trotzdem lohnt es sich, die Logik zu kennen, damit Sie auf dem Platz entscheiden können, wann sich ein Weiterspielen nicht mehr lohnt.
Ausprobieren in der Golf Lounge
Auf dem 9-Loch-Platz der Golf Lounge Resort Hamburg, dem Schwarzen Kurs, können Sie die Regel in der Praxis erleben. Der Platz hat Par 33 mit Par-3- und Par-4-Bahnen sowie Wasserhindernissen und Bunkern. Er ist von April bis Dezember bespielbar und mit DGV-Platzreife buchbar, ein bis vier Spieler pro Startzeit. Von Mai bis Oktober findet jeden Samstag um 9 Uhr ein vorgabewirksames 9-Loch-Turnier statt.
Häufige Fragen
Was ist ein Netto-Doppelbogey beim Golf?
Das Netto-Doppelbogey ist das höchste Lochergebnis, das für die Handicap-Berechnung zählt. Es beträgt Par plus 2 Schläge plus die Handicap-Schläge auf diesem Loch. Braucht ein Spieler mehr Schläge, wird für das Handicap nur dieser Wert gewertet. Im Turnier zählt die echte Schlagzahl.
Wie berechnet man das Netto-Doppelbogey?
Sie addieren das Par des Lochs, 2 und Ihre Handicap-Schläge auf diesem Loch. Auf einem Par-4-Loch mit einem Handicap-Schlag sind das 7, mit zwei Handicap-Schlägen 8. Welche Löcher wie viele Schläge bekommen, entscheidet Ihre Spielvorgabe zusammen mit der Lochvorgabe auf der Scorekarte.
Gilt das Netto-Doppelbogey auch im Turnier?
Nein, die Begrenzung gilt nur für die Handicap-Berechnung. Im Zählspiel zählt Ihre tatsächliche Schlagzahl und Sie müssen jedes Loch beenden. Im Stableford bekommen Sie bei Netto-Doppelbogey oder schlechter null Punkte und dürfen aufheben. Eine Ausnahme ist die Spielform Maximum Score, die die Spielleitung festlegt.
Wie viele Stableford-Punkte gibt ein Netto-Doppelbogey?
Ein Netto-Doppelbogey bringt im Stableford null Punkte. Es ist die niedrigste Schlagzahl auf einem Loch, bei der Sie nichts mehr gewinnen. Ein Netto-Bogey bringt einen Punkt, ein Netto-Par zwei Punkte. Deshalb können Sie aufheben, sobald keine Punkte mehr möglich sind.
Was gilt, wenn ich noch kein Handicap habe?
Spieler ohne Handicap-Index, die erste Ergebnisse einreichen, haben als Höchstwert Par plus 5 je Loch. Danach gilt das Netto-Doppelbogey. Das gilt auch, wenn die Spielvorgabe über 54 liegt und Sie vier oder mehr Handicap-Schläge bekommen. Die Software des DGV setzt das automatisch um.
Stand: Oktober 2026