Golf-Lexikon
Handicap-Index (Stammvorgabe)
Kurz erklärt
Der Handicap-Index ist Ihre Spielstärke im Golf in einer Zahl, auf eine Nachkommastelle genau. Er entsteht aus dem Durchschnitt Ihrer besten 8 Score Differentials der letzten 20 vorgabewirksamen Runden und liegt höchstens bei 54,0. Früher hieß er in Deutschland Stammvorgabe. Er gilt auf allen Plätzen und dient als Grundlage für faire Wettspiele.
Was ist der Handicap-Index im Golf?
Der Handicap-Index, kurz HCPI, ist die Zahl, die Ihre aktuelle Spielstärke ausdrückt. Der Deutsche Golf Verband beschreibt ihn als Ausdruck des Spielpotenzials. Er soll möglichst genau zeigen, was Sie auf einem Golfplatz zu leisten in der Lage sind. Je niedriger die Zahl, desto besser spielen Sie.
Der Index wird mit einer Nachkommastelle angegeben, zum Beispiel 23,4. Der höchste Wert ist 54,0, und zwar für Damen und Herren gleichermaßen. Sehr gute Spieler haben einen Index um 0. Wer besser spielt als ein Scratch-Golfer, hat einen Plus-Handicap und schreibt zum Beispiel +2,1.
Das Besondere am Handicap-Index ist, dass er überall gleich gilt. Kein Golfplatz gleicht dem anderen, trotzdem hat Ihr Index auf jedem Platz dieselbe Bedeutung. Möglich wird das, weil bei der Berechnung die Schwierigkeit des Platzes berücksichtigt wird, also Course Rating und Slope Rating. Dadurch können Sie mit Spielern fair um die Nettowertung spielen, die deutlich besser oder schlechter sind als Sie.
Handicap-Index und Stammvorgabe: was ist der Unterschied?
Wenn Sie ältere Golfer fragen, hören Sie oft das Wort Stammvorgabe. Gemeint ist die Spielstärke-Zahl aus dem früheren europäischen Vorgabensystem der EGA. Seit 2021 gilt in Deutschland das World Handicap System. Der DGV hat die bisherigen Stammvorgaben damals in neue Handicap-Indizes umgerechnet. Der neue Wert konnte dabei vom alten abweichen.
Im Alltag meinen viele Golfer mit Stammvorgabe noch heute ihren Handicap-Index. Fachlich ist der Begriff aber überholt. Das alte System arbeitete mit Stableford-Punkten und einer Pufferzone. Heute rechnet das System jede Runde in ein Score Differential um und mittelt die besten Ergebnisse.
Ein weiterer Unterschied ist die weltweite Einheitlichkeit. Das World Handicap System gilt in vielen Ländern nach denselben Regeln. Ein Handicap-Index aus Deutschland ist deshalb auch in anderen Ländern verwendbar. Wer in älteren Anleitungen über Stammvorgabe liest, sollte prüfen, ob die Regeln noch zum aktuellen System passen.
So wird der Handicap-Index berechnet
Die Berechnung läuft in drei Schritten, und die Software des DGV übernimmt sie automatisch.
Erstens wird Ihr Ergebnis bereinigt. An jedem Loch zählen höchstens Par plus Handicap-Schläge plus 2, das sogenannte Netto-Doppelbogey. Das Ergebnis heißt gewertetes Bruttoergebnis.
Zweitens wird daraus das Score Differential berechnet: (113 / Slope Rating) × (gewertetes Bruttoergebnis − Course Rating − PCC). PCC ist die Tageskorrektur für besondere Spielbedingungen, international bis Handicap-Index 36,0, in Deutschland laut DGV nur bis 26,4. Das Score Differential zeigt, wie gut die Runde im Verhältnis zur Schwierigkeit des Platzes war.
Drittens wird der Durchschnitt der 8 besten Score Differentials aus den letzten 20 Ergebnissen gebildet. Das Ergebnis ist Ihr Handicap-Index. Kommt ein neues Ergebnis dazu, fällt das älteste heraus.
Ein Beispiel: Ihre acht besten Werte sind 19,8, 20,6, 20,9, 21,4, 21,9, 22,2, 22,5 und 22,8. Die Summe ist 172,1. Geteilt durch 8 ergibt das 21,51. Ihr Handicap-Index lautet 21,5.
Wie die einzelnen Schritte im Detail funktionieren, erklärt der Eintrag zur Handicap-Berechnung.
Was gilt bei weniger als 20 Ergebnissen?
Am Anfang haben Sie noch nicht 20 Ergebnisse im Scoring Record. Dann wird der Index aus weniger Werten berechnet. Außerdem gibt es bei bis zu sechs Ergebnissen einen kleinen Abzug zum Schutz anderer Spieler. Die Tabelle der Handicap-Regeln, die auch der DGV veröffentlicht, legt fest:
- 1 bis 3 Ergebnisse: das niedrigste Score Differential minus 2,0
- 4 Ergebnisse: das niedrigste minus 1,0
- 5 Ergebnisse: das niedrigste, ohne Abzug
- 6 Ergebnisse: Durchschnitt der niedrigsten 2, minus 1,0
- 7 bis 8 Ergebnisse: Durchschnitt der niedrigsten 2
- 9 bis 11 Ergebnisse: Durchschnitt der niedrigsten 3
- 12 bis 14 Ergebnisse: Durchschnitt der niedrigsten 4
- 15 bis 16 Ergebnisse: Durchschnitt der niedrigsten 5
- 17 bis 18 Ergebnisse: Durchschnitt der niedrigsten 6
- 19 Ergebnisse: Durchschnitt der niedrigsten 7
- 20 Ergebnisse: Durchschnitt der niedrigsten 8
Da der Abzug bei einem neuen Ergebnis entfallen kann, kann Ihr Index auch nach einer guten Runde wieder ansteigen. Das ist normal und kein Fehler. Zwischen 54 und 26,5 verhindert in Deutschland allerdings die 26,5-Bremse, dass der aktuelle Index steigt.
Handicap-Index, Course Handicap und Spielvorgabe
Der Handicap-Index ist Ihre allgemeine Zahl. Wie viele Schläge Sie auf einem bestimmten Platz bekommen, sagt er noch nicht. Dafür gibt es das Course Handicap, im Deutschen Spielvorgabe. Die Formel lautet: Course Handicap = Handicap-Index × (Slope Rating / 113) + (Course Rating − Par)
Beispiel: Ihr Index ist 21,5. Sie spielen von einem Abschlag mit Course Rating 71,2, Slope 128 und Par 72. Dann ist 21,5 × 128 / 113 = 24,35. Dazu kommt 71,2 − 72 = −0,8. Ergebnis 23,55, gerundet 24. Ihr Course Handicap ist also 24.
Eine leichte Verwechslung ist üblich. Der Handicap-Index steht auf dem DGV-Ausweis, die Spielvorgabe lesen Sie auf der Anlage in einer Tabelle ab. Beide Zahlen können sich deutlich unterscheiden, auf schweren Plätzen liegt die Spielvorgabe über dem Index, auf leichten darunter.
Wie ändert sich der Handicap-Index? Bremse, Caps und Ausreißer
Der Index ist keine feste Zahl. Er passt sich Ihrer Spielstärke an, und einige Regeln dämpfen die Ausschläge.
- 26,5-Bremse: Zwischen 54 und 26,5 sinkt der Index nur. Schwache Runden erhöhen ihn nicht. Der DGV führt zusätzlich einen kalkulierten Index, der aber nur informiert. Auf Wunsch lässt sich die Bremse dauerhaft lösen.
- Soft Cap: Ab 20 Ergebnissen kann der Index bis zu 3 Schläge über Ihren niedrigsten Wert der letzten 365 Tage ungebremst steigen. Darüber zählt ein weiterer Anstieg nur zur Hälfte.
- Hard Cap: Bei 5 Schlägen über diesem Niedrigstwert ist Schluss.
- Außergewöhnliches Ergebnis: Liegt ein Score Differential 7 oder mehr Schläge unter Ihrem Index, wird der Index zusätzlich um einen Schlag gesenkt, ab 10 Schlägen um zwei.
Wer das Gefühl hat, dass der Index nicht mehr zur Spielstärke passt, kann den Handicap-Ausschuss des Heimatclubs um eine Überprüfung bitten. Das kommt vor allem bei Golfern vor, die nur wenige vorgabewirksame Runden spielen und deren Spielstärke nachgelassen hat.
Wie bekomme ich einen Handicap-Index?
Der erste Schritt ist die Platzreife. Sie beweist, dass Sie die Grundlagen des Spiels, die Regeln und die Etikette beherrschen. Nach bestandener DGV-Platzreife erhalten Einsteiger in der Regel den Handicap-Index 54, wenn ein Club oder eine Anlage ihn einträgt.
Voraussetzung für ein geführtes Handicap ist eine Mitgliedschaft mit Spielrecht bei einem Club oder einer Anlage, die im DGV ist. Das kann auch eine Fernmitgliedschaft sein. Den aktuellen Handicap-Index sehen Sie auf dem DGV-Ausweis, und nach einer Registrierung auf golf.de auch Ihr Scoring Record.
Von da an verbessern Sie ihn durch vorgabewirksame Runden. Das sind Turniere im Einzel-Zählspiel und registrierte Privatrunden mit Zähler. Wer nur mit Freunden spielt, ohne Anmeldung, sammelt keine Ergebnisse für das Handicap. Der Handicap-Index zeigt am Ende, wie gut Ihre besten Runden waren, nicht, wie oft Sie gespielt haben.
Ausprobieren in der Golf Lounge
Der erste Schritt zum Handicap ist die Platzreife. In der Golf Lounge Resort Hamburg ist sie ein flexibel gebuchter DGV-Kurs mit in der Regel vier bis fünf Trainingseinheiten à zwei Stunden in kleinen Gruppen mit höchstens sechs Personen. Leihschläger und Bälle sind zu jeder Einheit dabei, die Prüfung findet jeden Samstag vor Ort in Moorfleet statt. Ein DGV-Ausweis mit Handicap-Führung ist zum Beispiel über Friend DGV möglich.
Häufige Fragen
Was ist der Handicap-Index?
Der Handicap-Index ist eine Zahl, die Ihre aktuelle Spielstärke im Golf beschreibt. Er ist der Durchschnitt Ihrer besten 8 Score Differentials aus den letzten 20 vorgabewirksamen Runden und wird auf eine Nachkommastelle angegeben. Der höchste Wert ist 54,0. Er gilt auf allen Plätzen und ermöglicht faire Wettspiele.
Was ist die Stammvorgabe?
Stammvorgabe war der Begriff für die Spielstärke-Zahl im früheren europäischen Vorgabensystem. Seit 2021 gilt in Deutschland das World Handicap System, in dem sie Handicap-Index heißt. Viele Golfer benutzen das alte Wort im Alltag weiter. Technisch ist der Handicap-Index nach anderen Regeln berechnet.
Wie hoch kann der Handicap-Index maximal sein?
Der höchste Handicap-Index ist 54,0, für Damen und Herren. Nach bestandener Platzreife startet man in Deutschland in der Regel mit diesem Wert. Nach unten gibt es keine Grenze: Sehr gute Spieler haben einen Index um 0 oder einen Plus-Handicap wie +2,1.
Was ist der Unterschied zwischen Handicap-Index und Spielvorgabe?
Der Handicap-Index ist Ihre allgemeine Spielstärke-Zahl und gilt auf allen Plätzen. Die Spielvorgabe, das Course Handicap, ist die Zahl der Schläge, die Sie auf einem bestimmten Platz und Abschlag bekommen. Sie wird aus dem Index, dem Slope Rating, dem Course Rating und dem Par berechnet.
Wie oft ändert sich der Handicap-Index?
Der Index wird neu berechnet, sobald ein neues vorgabewirksames Ergebnis vorliegt. Zwischen 54 und 26,5 sinkt er nur, weil die 26,5-Bremse Anstiege verhindert. Ab 26,4 und besser kann er nach jeder Runde sinken oder steigen. Das Cap-Verfahren begrenzt, wie stark er innerhalb eines Jahres steigen kann.
Stand: Oktober 2026