Golf-Lexikon
Handicap berechnen
Kurz erklärt
Beim Handicap berechnen wird jede vorgabewirksame Runde in einen Wert namens Score Differential umgerechnet. Dabei zählen Ihr bereinigtes Bruttoergebnis sowie Course Rating und Slope Rating des Platzes. Ihr Handicap-Index ist der Durchschnitt der besten 8 aus Ihren letzten 20 Score Differentials. So schreibt es das World Handicap System vor, das in Deutschland der DGV anwendet.
Wie wird das Handicap beim Golf berechnet? Das Prinzip
Das World Handicap System berechnet Ihr Handicap in drei Schritten. Erstens wird Ihr Rundenergebnis bereinigt. Sehr hohe Schlagzahlen an einzelnen Löchern werden dabei gedeckelt. Zweitens wird das bereinigte Ergebnis mit der Schwierigkeit des Platzes verrechnet. Daraus entsteht das Score Differential. Drittens bildet die Software aus Ihren besten Score Differentials den Durchschnitt. Das ist Ihr Handicap-Index.
Für Sie als Spieler heißt das: Sie müssen nichts selbst ausrechnen. Ihr Club oder die gastgebende Anlage überträgt die Ergebnisse an den DGV, und dort läuft die Berechnung automatisch. Trotzdem lohnt es sich, das Prinzip zu kennen. Dann verstehen Sie, warum Ihr Handicap nach einer Runde gesunken oder gleich geblieben ist. Außerdem können Sie mit einem Handicap-Rechner selbst prüfen, was eine Runde bewirkt.
Zwei Begriffe sollten Sie dabei auseinanderhalten. Der Handicap-Index ist Ihr allgemeiner Wert, zum Beispiel 21,5. Das Course Handicap, auch Spielvorgabe genannt, ist die Zahl der Schläge, die Sie auf einem bestimmten Platz bekommen. Es wird aus dem Handicap-Index berechnet und ist meist eine andere Zahl.
Schritt 1: das bereinigte Bruttoergebnis mit Netto-Doppelbogey
Am Anfang steht Ihr Bruttoergebnis, also alle Schläge der Runde einschließlich Strafschlägen. Für die Handicap-Berechnung wird es bereinigt. Der DGV nennt das Ergebnis dann gewertetes Bruttoergebnis, kurz GBE.
Die Regel dafür heißt Netto-Doppelbogey. An jedem Loch zählen höchstens Par plus Ihre Handicap-Schläge an diesem Loch plus 2. Ein Beispiel: Sie haben auf einem Par-4-Loch einen Handicap-Schlag. Ihr Netto-Doppelbogey ist dann 4 + 1 + 2 = 7. Brauchen Sie dort 9 Schläge, werden für das Handicap nur 7 gewertet. Auch wenn Sie an einem Loch den Ball nicht einlochen, wird ein Netto-Doppelbogey eingetragen.
So hat ein einzelnes verpatztes Loch nur begrenzte Wirkung auf Ihr Handicap. Für die Wertung im Turnier gilt aber weiterhin die tatsächlich gespielte Schlagzahl. Spielen Sie in diesem Beispiel insgesamt 98 Schläge, davon die 9 an dem genannten Loch, beträgt Ihr gewertetes Bruttoergebnis 96. Mit diesem Wert geht es im nächsten Schritt weiter.
Schritt 2: das Score Differential berechnen (Formel)
Im zweiten Schritt wird das gewertete Bruttoergebnis mit der Schwierigkeit des Platzes verrechnet. Die Formel lautet:
Score Differential = (113 / Slope Rating) × (gewertetes Bruttoergebnis − Course Rating − PCC)
Das Course Rating gibt an, wie viele Schläge ein Scratch-Golfer auf diesem Platz im Schnitt braucht. Das Slope Rating beschreibt, wie viel schwerer der Platz für einen durchschnittlichen Golfer ist. 113 ist der Bezugswert. PCC ist die Korrektur der Spielbedingungen. Sie wird am Ende jedes Spieltags berechnet und liegt meist bei 0. Bei schweren Bedingungen kann sie bis zu +3 betragen, bei sehr leichten −1. In Deutschland wird sie nur bei Spielern mit einem Handicap-Index von 26,4 oder besser angewendet.
Beispiel: Sie spielen von einem Abschlag mit Course Rating 71,2 und Slope Rating 128. Ihr gewertetes Bruttoergebnis ist 96, der PCC beträgt 0.
- 96 − 71,2 − 0 = 24,8
- 113 / 128 = 0,883
- 0,883 × 24,8 = 21,9
Ihr Score Differential für diese Runde ist also 21,9. Je kleiner der Wert, desto besser war die Runde.
Schritt 3: der Handicap-Index aus den besten 8 von 20
Im dritten Schritt kommt Ihre Ergebnisliste ins Spiel. Der DGV nennt sie Scoring Record. Dort stehen Ihre letzten 20 vorgabewirksamen Ergebnisse. Für den Handicap-Index zählen davon die 8 besten Score Differentials. Aus ihnen wird der Durchschnitt gebildet und auf eine Nachkommastelle gerundet.
Ein Beispiel: Ihre 8 besten Werte sind 19,8, 20,6, 20,9, 21,4, 21,9, 22,2, 22,5 und 22,8. Zusammen ergibt das 172,1. Geteilt durch 8 sind das 21,51. Ihr Handicap-Index ist also 21,5. Kommt ein neues Ergebnis hinzu, fällt das älteste heraus, und die Rechnung beginnt von vorn.
Mit weniger als 20 Ergebnissen werden weniger Werte verwendet, bei sehr wenigen kann ein kleiner Abzug hinzukommen. Drei weitere Regeln wirken auf das Ergebnis:
- Außergewöhnliches Ergebnis: Liegt ein Score Differential 7 oder mehr Schläge unter Ihrem Handicap-Index, sinkt der Index um einen weiteren Schlag. Bei 10 oder mehr Schlägen sind es zwei.
- Soft Cap und Hard Cap: Ab 20 Ergebnissen kann Ihr Index nur bis 3 Schläge über Ihren niedrigsten Wert der letzten 365 Tage ungebremst steigen. Darüber zählt ein Anstieg nur zur Hälfte, bei 5 Schlägen ist Schluss.
- 26,5-Bremse: eine deutsche Besonderheit. Zwischen 54 und 26,5 senken gute Runden den Handicap-Index automatisch, schwächere Runden erhöhen ihn nicht. Auf Wunsch lässt der DGV die Bremse dauerhaft aufheben.
9-Loch-Runden: so werden sie auf 18 Löcher umgerechnet
Auch Runden über neun Löcher zählen für das Handicap. Damit sie mit 18-Loch-Runden vergleichbar sind, rechnet das System sie hoch. Zuerst wird für die gespielten neun Löcher ein Score Differential berechnet, mit den 9-Loch-Werten für Course Rating und Slope. Dann kommt ein Wert für die nicht gespielten neun Löcher dazu. Er entspricht dem Ergebnis, das Sie mit Ihrem Handicap auf einem neutralen Platz voraussichtlich erzielen würden.
Die Formel für diesen Ergänzungswert lautet: (Handicap-Index × 1,04 + 2,4) / 2
Beispiel: Ihr Handicap-Index ist 30,0. Sie spielen neun Löcher mit einem gewerteten Bruttoergebnis von 50. Das Course Rating für diese neun Löcher ist 35,6, das Slope Rating 125.
- gespielte Löcher: (50 − 35,6) × 113 / 125 = 13,0
- ergänzte Löcher: (30,0 × 1,04 + 2,4) / 2 = 16,8
- Score Differential für 18 Löcher: 13,0 + 16,8 = 29,8
Dieses Ergebnis landet in Ihrem Scoring Record wie eine 18-Loch-Runde. Für Einsteiger sind 9-Loch-Runden deshalb ein guter Weg, regelmäßig vorgabewirksam zu spielen.
Spielvorgabe berechnen: das Course Handicap für einen Platz
Der Handicap-Index sagt noch nicht, wie viele Schläge Sie auf einem bestimmten Platz bekommen. Dafür gibt es das Course Handicap, auch Spielvorgabe genannt. Die Formel lautet:
Course Handicap = Handicap-Index × (Slope Rating / 113) + (Course Rating − Par)
Das Ergebnis wird auf eine ganze Zahl gerundet. Beispiel: Mit Handicap-Index 21,5 spielen Sie von einem Abschlag mit Course Rating 71,2, Slope Rating 128 und Par 72.
- 21,5 × 128 / 113 = 24,35
- 71,2 − 72 = −0,8
- 24,35 − 0,8 = 23,55, gerundet 24
Ihr Course Handicap ist also 24. Sie bekommen auf jedem Loch einen Schlag und auf den sechs schwierigsten Löchern einen zweiten.
Auf dem Platz müssen Sie das nicht selbst ausrechnen. Jede Golfanlage hängt eine Course-Handicap-Tabelle aus, in der Sie Ihren Wert je Abschlagsfarbe ablesen. Bei manchen Team-Spielformen wird für das Turnier nur ein Anteil davon verwendet. Das nennt man Playing Handicap.
Handicap-Rechner, Faustregeln und typische Fehler
Online finden Sie viele Handicap-Rechner. Sie arbeiten mit den Formeln oben und eignen sich gut, um eine Runde nachzurechnen. Achten Sie darauf, dass der Rechner nach dem World Handicap System rechnet. Rechner, die mit Stableford-Punkten und Pufferzonen arbeiten, beziehen sich auf das frühere EGA-System. Verbindlich ist immer der Wert, den der DGV für Sie führt. Nach einer Registrierung auf golf.de sehen Sie dort Ihren Scoring Record.
Eine einfache Faustregel hilft auf dem Platz: Wer auf 18 Löchern 36 Stableford-Punkte erzielt, hat ungefähr sein Handicap gespielt. Auf neun Löchern entsprechen 18 Punkte diesem Niveau. Jeder Punkt mehr ist grob ein Schlag besser.
Typische Fehler beim Selbstrechnen:
- das Bruttoergebnis ohne Netto-Doppelbogey verwenden
- Course Rating und Slope eines anderen Abschlags nehmen
- Handicap-Index und Course Handicap verwechseln
- 9-Loch-Ergebnisse wie 18-Loch-Ergebnisse behandeln
Ausprobieren in der Golf Lounge
Für Ihr Handicap brauchen Sie vorgabewirksame Ergebnisse. Auf dem 9-Loch-Platz der Golf Lounge Resort Hamburg, dem Schwarzen Kurs, spielen Sie neun Bahnen mit Par 33, darunter Par-3- und Par-4-Bahnen mit Wasserhindernissen und Bunkern. Der Platz ist von April bis Dezember geöffnet und mit DGV-Platzreife spielbar. Pro Startzeit können bis zu vier Spieler buchen. Von Mai bis Oktober findet jeden Samstag ein vorgabewirksames 9-Loch-Turnier statt. Vorgabewirksam heißt: Wer ein Handicap führt, kann ein solches Ergebnis in seinen Handicap-Index einfließen lassen.
Häufige Fragen
Wie wird das Handicap beim Golf berechnet?
Für jede vorgabewirksame Runde wird ein Score Differential berechnet: (113 / Slope Rating) × (gewertetes Bruttoergebnis − Course Rating − PCC). Ihr Handicap-Index ist der Durchschnitt der besten 8 Score Differentials aus Ihren letzten 20 Ergebnissen. Hohe Lochergebnisse werden vorher auf ein Netto-Doppelbogey begrenzt. Die Berechnung übernimmt in Deutschland automatisch die Software des DGV.
Wie errechnet sich das Handicap bei wenigen Runden?
Solange weniger als 20 Ergebnisse vorliegen, nutzt das System weniger Score Differentials für den Durchschnitt. Bei sehr wenigen Ergebnissen kann zusätzlich ein kleiner Abzug hinzukommen. Gerade am Anfang wirkt sich deshalb jede gute Runde deutlich aus. Einsteiger in Deutschland starten nach der Platzreife in der Regel mit Handicap-Index 54 und verbessern sich mit jeder guten Runde.
Welche Formel nutzt ein Golf-Handicap-Rechner?
Ein Handicap-Rechner nach WHS nutzt zwei Formeln. Für eine Runde: Score Differential = (113 / Slope) × (gewertetes Bruttoergebnis − Course Rating − PCC). Für einen Platz: Course Handicap = Handicap-Index × (Slope / 113) + (Course Rating − Par). Prüfen Sie, ob der Rechner das Netto-Doppelbogey berücksichtigt. Verbindlich ist immer der Wert, den der DGV für Sie führt.
Zählen 9-Loch-Runden für das Handicap?
Ja. Vorgabewirksame Runden über neun Löcher werden auf 18 Löcher hochgerechnet. Zum Score Differential der gespielten neun Löcher addiert das System einen Wert für die nicht gespielten Löcher, der sich aus Ihrem Handicap-Index ergibt. Das Ergebnis zählt im Scoring Record wie eine 18-Loch-Runde. Wichtig ist, dass die Runde auch als 9-Loch-Runde angemeldet oder ausgeschrieben ist.
Stand: Oktober 2026