Golf-Lexikon
Nassau
Kurz erklärt
Nassau ist eine beliebte Spielform im Golf, die auf dem Lochspiel aufbaut. Die Runde wird in drei getrennte Wertungen geteilt: die vorderen neun Löcher, die hinteren neun Löcher und die gesamte 18-Loch-Runde. Jede Wertung hat einen eigenen Sieger. Wer eine Hälfte verliert, kann die andere Hälfte und die Gesamtwertung trotzdem noch gewinnen.
Was ist Nassau beim Golf?
Nassau steht nicht als Wettspielform im Regelbuch. Es ist eine Spielvereinbarung, die Golfer in Freundesrunden und im Club gern nutzen. Sie gehört zur Familie des Lochspiels. Zwei Spieler oder zwei Teams treten gegeneinander an, und jedes Loch wird einzeln gewertet: Wer weniger Schläge braucht, gewinnt das Loch, bei gleicher Schlagzahl wird es geteilt.
Das Besondere am Nassau ist die Aufteilung in drei Wertungen. Die ersten neun Löcher sind ein eigenes Lochspiel. Die zweiten neun Löcher sind ein weiteres Lochspiel. Und über alle 18 Löcher läuft zusätzlich ein drittes Match.
Die Idee dahinter ist einfach. Wer auf den ersten neun Löchern in Rückstand gerät, hat auf den zweiten neun Löchern wieder eine frische Chance. Der Wettbewerb bleibt dadurch lange offen, und niemand ist nach einem schlechten Start aus dem Spiel. Gleichzeitig gibt es für den Gesamtsieg noch eine eigene Wertung, die das ganze Spiel zusammenfasst.
Nassau Regeln: so funktionieren die drei Wertungen
Vor dem ersten Abschlag vereinbaren die Spieler, wie das Nassau gewertet wird. Üblich ist diese Aufteilung:
- Wertung 1: Vordere neun Löcher (Loch 1 bis 9). Wer nach neun Löchern mehr Löcher gewonnen hat, gewinnt diese Wertung.
- Wertung 2: Hintere neun Löcher (Loch 10 bis 18). Auch hier zählt, wer mehr Löcher gewonnen hat.
- Wertung 3: Gesamte Runde. Hier werden alle gewonnenen Löcher über 18 Löcher verglichen.
Jede Wertung ist einzeln zu gewinnen. Steht es nach den neun Löchern gleich, ist die Wertung geteilt, und es gibt dafür keinen Sieger. Der Gesamtsieg kann also an einen anderen Spieler gehen als die Teilwertungen.
Jede Wertung hat denselben Wert, meist einen Punkt. Bei drei Wertungen kann ein Spieler also höchstens drei Punkte holen. Die einzelnen Löcher werden dabei nach den Regeln des Lochspiels gewertet (Regel 3.2 der Golfregeln), einschließlich der Möglichkeit, Schläge oder Löcher zu schenken.
Press: die zweite Chance im Nassau
Ein typischer Bestandteil des Nassau ist der Press. Das ist eine zusätzliche Wertung, die ein Spieler ansagen kann, wenn er im Rückstand liegt. Meist darf ein Spieler pressen, sobald er zwei Löcher zurückliegt.
So funktioniert es: Sagt der Spieler im Rückstand „Press“, beginnt ab dem nächsten Loch ein neues Match innerhalb der laufenden Wertung. Dieses Match läuft bis zum Ende der Hälfte, in der es gestartet wurde. Es zählt so viel wie die ursprüngliche Wertung.
Eine Variante ist der automatische Press. Dann beginnt die neue Wertung von selbst, sobald ein Spieler zwei Löcher zurückliegt. Das muss vor der Runde vereinbart werden.
Der Press verändert das Spiel. Er gibt dem zurückliegenden Spieler eine neue Chance auf Punkte, kann den Punktestand aber auch unübersichtlich machen, wenn mehrere Presses ins Spiel kommen. Manche Gruppen erlauben deshalb nur einen Press pro Hälfte. Klären Sie die Regeln vorher, damit es keine Diskussionen am Abschlag gibt.
Beispiel aus der Praxis: ein Nassau über 18 Löcher
Anna spielt gegen Ben ein Nassau mit einem Punkt pro Wertung.
Vordere neun Löcher: Anna gewinnt Loch 2, 4 und 7, Ben gewinnt Loch 5. Die anderen Löcher werden geteilt. Nach neun Löchern führt Anna mit 2 up. Sie gewinnt die erste Wertung.
Hintere neun Löcher: Ben spielt stark und gewinnt Loch 11, 13 und 16. Anna gewinnt nur Loch 14. Ben führt auf den hinteren neun Löchern mit 2 up und gewinnt die zweite Wertung.
Gesamtwertung: Über 18 Löcher hat Anna vier Löcher gewonnen, Ben vier Löcher. Die Gesamtwertung ist geteilt.
Endergebnis: Anna und Ben haben je einen Punkt gewonnen, und eine Wertung ist geteilt. Beide spielen also unentschieden. Hätte Ben nur ein einziges Loch mehr gewonnen, hätte er die Gesamtwertung und damit das Nassau insgesamt für sich entschieden.
Das Beispiel zeigt, warum die Spielform beliebt ist: Auch nach einem schlechten Start lohnt es sich weiterzuspielen, weil mindestens ein Teil des Matches noch offen bleibt.
Vorgabe und Varianten im Nassau
Da jede Wertung ein Lochspiel ist, lassen sich Spieler mit unterschiedlichem Handicap fair gegeneinander stellen. Wie im normalen Lochspiel erhält der Spieler mit der höheren Vorgabe Schläge, und zwar auf den Löchern mit den niedrigsten Vorgabewerten. Das World Handicap System empfiehlt im Einzel-Lochspiel 100 Prozent der Differenz der Spielvorgaben. Für Zweierteams gilt die Empfehlung für den Vierball im Lochspiel: 90 Prozent der Spielvorgabe jedes Spielers, danach spielt der Spieler mit der niedrigsten Vorgabe mit null. Verbindlich ist das, was die Spieler vorher vereinbaren.
Es gibt viele Varianten:
- Unterschiedliche Gewichtung: Manche Gruppen zählen die Gesamtwertung doppelt, die Punkte stehen dann im Verhältnis 1 zu 1 zu 2.
- Teamnassau: Zwei Zweierteams spielen Vierball gegeneinander und werten die drei Teile.
- Nassau über neun Löcher: Auf einem 9-Loch-Platz wird die Runde zweimal gespielt, das erste Mal als vordere, das zweite Mal als hintere Hälfte.
- Mehrere Presses: Je nach Gruppe sind ein, zwei oder beliebig viele Presses erlaubt.
Da Nassau keine amtliche Spielform ist, gelten die Absprachen der Gruppe. Das Ergebnis zählt nicht für Ihr Handicap, weil es sich um ein privates Match handelt.
Herkunft: Der Nassau Country Club
Der Name Nassau stammt nach üblicher Darstellung vom Nassau Country Club in Glen Cove auf Long Island im US-Bundesstaat New York. Dort soll das Format um 1900 erfunden worden sein. Als Erfinder wird häufig J. B. Coles Tappan genannt, ein Mitglied des Clubs.
Die Überlieferung nennt auch den Grund: Die Dreiteilung sollte verhindern, dass ein Spieler bei einer schlechten Runde alles verliert und sich vor den Mitspielern blamiert. Verliert ein Spieler einen Teil, kann er die anderen noch gewinnen. Die genauen Umstände sind allerdings nicht eindeutig belegt.
Von den USA aus hat sich die Spielform in der ganzen Golfwelt verbreitet. Heute spielen Golfer sie auf der ganzen Welt, meist im privaten Rahmen und nicht in offiziellen Turnieren. Sie wird oft zusammen mit Skins oder Bingo Bango Bongo genannt.
Abgrenzung: Nassau, Lochspiel, Skins und Zählspiel
Nassau wird oft mit verwandten Formen verwechselt.
- Lochspiel: Ein einzelnes Match über 18 Löcher mit einem Sieger. Nassau besteht aus drei Lochspielen gleichzeitig.
- Zählspiel: Alle Schläge werden addiert. Hier gibt es keine Duelle, es zählt nur die Gesamtzahl.
- Skins: Jedes Loch ist einzeln wertvoll, und bei Gleichstand wird der Wert auf das nächste Loch übertragen. Nassau wertet dagegen Löcher in Blöcken.
- Bingo Bango Bongo: Pro Loch gibt es drei Punkte für unterschiedliche Leistungen, unabhängig von der Schlagzahl.
- Wolf: Ein wechselnder Spieler wählt nach dem Abschlag einen Partner oder spielt allein.
Das Nassau eignet sich gut für Freundesrunden mit zwei bis vier Spielern, weil die Regeln einfach sind und jede Hälfte eine neue Chance bietet. Im Englischen ist oft von einer Nassau bet die Rede. Für das Spiel selbst genügen Punkte, viele Gruppen spielen einfach um die Ehre.
Ausprobieren in der Golf Lounge
Ein Nassau lässt sich auch auf dem 9-Loch-Platz Schwarz der Golf Lounge Resort Hamburg in Moorfleet spielen. Vereinbaren Sie dafür eine verkürzte Form, zum Beispiel mit getrennten Wertungen für die Löcher 1 bis 4, die Löcher 5 bis 9 und die ganze Runde. Der Platz hat Par 33 mit Par-3- und Par-4-Bahnen und ist mit Platzreife (DGV) von April bis Dezember bespielbar. Die Tee-Time buchen Sie online, pro Buchung sind bis zu vier Spieler möglich.
Häufige Fragen
Was ist Nassau beim Golf?
Nassau ist eine Spielform auf Basis des Lochspiels mit drei Wertungen: die vorderen neun Löcher, die hinteren neun Löcher und die gesamte Runde. Jede Wertung hat einen eigenen Sieger. Jede Wertung zählt meist einen Punkt. Es ist eine private Vereinbarung und kein offizielles Turnierformat.
Was bedeutet Press im Nassau?
Ein Press ist eine zusätzliche Wertung, die der zurückliegende Spieler ansagen kann, meist bei zwei Löchern Rückstand. Ab dem nächsten Loch beginnt ein neues Match, das bis zum Ende der laufenden Hälfte geht. Beim automatischen Press beginnt es von selbst. Das muss vor der Runde vereinbart werden.
Woher kommt der Name Nassau?
Der Name geht auf den Nassau Country Club in Glen Cove auf Long Island im US-Bundesstaat New York zurück. Dort soll das Format um 1900 entstanden sein. Als Erfinder wird oft J. B. Coles Tappan genannt. Diese Überlieferung ist plausibel, aber nicht lückenlos belegt.
Wie funktioniert Nassau mit Vorgabe?
Jede der drei Wertungen ist ein Lochspiel. Der Spieler mit der höheren Vorgabe erhält Schläge auf den Löchern mit den niedrigsten Vorgabewerten. Das World Handicap System empfiehlt im Einzel 100 Prozent der Differenz der Spielvorgaben. Beim Teamnassau im Vierball gelten 90 Prozent der Spielvorgabe jedes Spielers. Die Spieler sollten das vor der Runde vereinbaren.
Stand: Oktober 2026