Golf-Lexikon
Ball unspielbar
Kurz erklärt
Ein unspielbarer Ball ist ein Ball, den Sie nicht mehr schlagen können oder wollen. Nur Sie selbst entscheiden, ob er unspielbar ist, und zwar überall auf dem Platz außer in einer Penalty Area. Nach Regel 19 nehmen Sie dann mit einem Strafschlag Erleichterung, entweder mit Schlag und Distanzverlust, zurück auf der Linie oder seitlich innerhalb von zwei Schlägerlängen.
Was bedeutet „Ball unspielbar“ beim Golf?
Manchmal landet ein Ball so, dass ein Schlag unmöglich oder unvernünftig ist. Er liegt tief im Dornbusch, hinter einem Baumstamm oder in einer Wurzel, die Ihren Stand blockiert. In einem solchen Fall dürfen Sie den Ball für unspielbar erklären. Die Regel dazu steht in Regel 19 der Golfregeln.
Wichtig ist: Die Entscheidung liegt allein bei Ihnen. Weder Mitspieler noch Spielleitung können Ihnen vorschreiben, dass der Ball unspielbar ist oder nicht. Sie dürfen den Ball auch dann für unspielbar erklären, wenn er auf dem Fairway liegt. Ob das klug ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Regel gilt überall auf dem Platz mit einer einzigen Ausnahme: In einer Penalty Area dürfen Sie keinen Ball für unspielbar erklären. Dort gilt Regel 17.
Die drei Optionen im Überblick
Erklären Sie den Ball im allgemeinen Gelände oder auf dem Grün für unspielbar, erhalten Sie einen Strafschlag und haben drei Möglichkeiten:
- Schlag und Distanzverlust: Sie spielen erneut von der Stelle, an der Sie Ihren letzten Schlag gemacht haben. Das ist jederzeit möglich, auch wenn Sie den Ball nicht finden.
- Zurück auf der Linie: Sie ziehen eine gedachte Linie von der Fahne durch die Stelle, an der der Ball liegt, und droppen auf dieser Linie hinter dem Ball, so weit hinten, wie Sie möchten.
- Seitlich: Sie droppen innerhalb von zwei Schlägerlängen von der Stelle des Balls, nicht näher zum Loch.
Für die zweite und dritte Option müssen Sie wissen, wo der Ball liegt. Die Stelle des Balls ist der Bezugspunkt. Liegt der Ball im Baum, ist es die Stelle am Boden direkt darunter. Als Schlägerlänge gilt Ihr längster Schläger außer dem Putter.
So gehen Sie Schritt für Schritt vor
Mit einem klaren Ablauf geht es schnell:
- Entscheiden Sie, dass der Ball unspielbar ist, und sagen Sie es Ihren Mitspielern.
- Wählen Sie eine der drei Optionen.
- Markieren Sie bei Bedarf den Bezugspunkt, etwa mit einem Tee.
- Bei zurück auf der Linie droppen Sie den Ball auf der Linie. Seit 2023 muss er innerhalb einer Schlägerlänge von der Stelle liegen bleiben, an der er den Boden zuerst berührt hat. Er darf nicht näher zum Loch liegen als der Bezugspunkt.
- Bei seitlich messen Sie zwei Schlägerlängen ab und droppen innerhalb dieses Bereichs.
- Droppen Sie aus Kniehöhe und lassen Sie den Ball fallen, ohne ihn zu werfen oder zu drehen.
- Notieren Sie den Strafschlag.
Rollt der Ball nach dem Droppen aus dem Erleichterungsbereich, droppen Sie erneut. Nach zwei Fehlversuchen legen Sie den Ball dorthin, wo der zweite Drop den Boden berührt hat.
Sonderfall Bunker
Im Bunker gilt Regel 19.3 mit Besonderheiten. Sie haben dieselben drei Optionen für einen Strafschlag. Bei zurück auf der Linie und seitlich muss der Ball aber im Bunker bleiben. Sie können also nicht einfach aus dem Sand herausdroppen.
Es gibt jedoch eine vierte Möglichkeit: Sie nehmen zurück auf der Linie Erleichterung außerhalb des Bunkers. Dafür erhalten Sie zwei Strafschläge statt einem. Diese Option ist nützlich, wenn der Ball an der Bunkerwand eingegraben liegt und kein sinnvoller Schlag möglich ist. Sie bezahlen dann einen zusätzlichen Schlag, kommen aber aus dem Sand heraus. Überlegen Sie vorher, ob zwei Strafschläge wirklich besser sind als ein ruhiger Befreiungsschlag.
Beispiel aus der Praxis: Par 4 mit Busch
Sie spielen ein Par-4-Loch. Ihr Abschlag liegt gut, das war Schlag 1. Ihr zweiter Schlag fliegt rechts am Grün vorbei und landet im dichten Busch, das ist Schlag 2. Sie finden den Ball, aber ein Schlag ist unmöglich, weil Äste den Schwung blockieren. Sie erklären ihn für unspielbar.
Sie haben jetzt drei Möglichkeiten:
- Zurück zur Stelle des letzten Schlags: Der Schlag von dort wäre Ihr vierter, und Sie verlieren viel Distanz.
- Zurück auf der Linie: Sie droppen hinter dem Busch auf der Linie von der Fahne durch den Ball.
- Seitlich: Sie droppen innerhalb von zwei Schlägerlängen neben dem Busch.
Sie wählen die seitliche Option. Mit Strafschlag ist der Schlag aus dem Drop Ihr vierter. Er bringt Sie aufs Grün. Ein Putt später notieren Sie fünf Schläge, also ein Bogey. Mit einem Versuch aus dem Busch hätte das Loch leicht noch länger gedauert.
Typische Fehler und Tipps
Bei einem unspielbaren Ball passieren diese Fehler häufig:
- Näher zum Loch droppen. Bei jeder Option darf der Ball nicht näher zum Loch liegen bleiben als der Bezugspunkt.
- Den Strafschlag vergessen. Jede Erleichterung kostet einen Schlag, im Bunker auf Wunsch zwei.
- Mit dem Putter messen. Maßgeblich ist der längste Schläger außer dem Putter.
- In einer Penalty Area unspielbar erklären. Dort gilt Regel 17 mit eigenen Optionen.
- Den Bezugspunkt falsch bestimmen, besonders bei Bällen im Baum.
- Auf Schlag und Distanzverlust bestehen, obwohl die seitliche Option viel einfacher wäre.
Tipp: Prüfen Sie kurz Lage, Stand und Schwungweg und entscheiden Sie dann zügig. Ist ein sauberer Schlag nicht möglich, kostet der eine Strafschlag meist weniger als mehrere Fehlversuche, und Ihre Gruppe wartet nicht.
Abgrenzung: unspielbar, verloren und Erleichterung ohne Strafe
Ein unspielbarer Ball ist nicht dasselbe wie ein verlorener Ball. Der verlorene Ball ist nicht auffindbar. Hier bleibt nur Schlag und Distanzverlust. Der unspielbare Ball ist gefunden, kann oder soll aber nicht gespielt werden.
Auch Erleichterung ohne Strafe ist etwas anderes. Bei ungewöhnlichen Platzbedingungen wie Boden in Ausbesserung oder einem Tierloch bekommen Sie nach Regel 16 Erleichterung ohne Strafschlag. Das gilt nicht für schlechte Lagen, die zum Spiel gehören. Der unspielbare Ball ist dagegen immer mit einem Strafschlag verbunden. Dafür hat er einen großen Vorteil: Sie entscheiden selbst und können sich aus nahezu jeder Lage befreien.
Ausprobieren in der Golf Lounge
Wie Sie bei einem unspielbaren Ball richtig vorgehen, lernen Sie in der Golf Lounge Resort Hamburg im DGV-Platzreifekurs. Der Theorieteil umfasst Regeln, Etikette und Sicherheit auf dem Platz und wird mit der Praxis verzahnt, begleitet von PGA-Trainern. Die Gruppen sind mit höchstens sechs Personen klein, der Kurs umfasst in der Regel vier bis fünf Einheiten à zwei Stunden. Die Prüfung findet jeden Samstag vor Ort in Moorfleet statt.
Häufige Fragen
Wer entscheidet, ob ein Ball unspielbar ist?
Nur Sie selbst. Regel 19 lässt keinem Mitspieler und keiner Spielleitung ein Mitspracherecht. Sie dürfen den Ball überall auf dem Platz für unspielbar erklären, außer in einer Penalty Area. Dort gelten die Optionen nach Regel 17. Das gilt unabhängig davon, wie die Lage von außen aussieht.
Wie viele Strafschläge gibt es bei einem unspielbaren Ball?
In der Regel einen Strafschlag, egal welche der drei Optionen Sie wählen. Im Bunker dürfen Sie für einen Strafschlag im Bunker bleiben oder mit zwei Strafschlägen zurück auf der Linie außerhalb des Bunkers droppen. Mehr Strafschläge gibt es nicht. Im Normalfall kostet jede Option genau einen Schlag.
Darf ich einen Ball in der Penalty Area unspielbar erklären?
Nein. In einer Penalty Area dürfen Sie keinen Ball für unspielbar erklären. Dort nehmen Sie Erleichterung nach Regel 17, mit Optionen je nach gelber oder roter Markierung. Ein Ball im Wasser ist damit kein Fall für Regel 19. Liegt der Ball dagegen knapp außerhalb der Penalty Area, dürfen Sie ihn für unspielbar erklären.
Muss ich den Ball finden, um ihn unspielbar zu erklären?
Für Schlag und Distanzverlust nicht, denn Sie spielen von der alten Stelle. Für zurück auf der Linie und seitlich müssen Sie die Stelle des Balls kennen. Ist der Ball nicht auffindbar, bleibt Ihnen nur Schlag und Distanzverlust. Kennen Sie die Stelle, nutzen Sie meist die seitliche Option.
Wie messe ich zwei Schlägerlängen richtig?
Nehmen Sie Ihren längsten Schläger, außer dem Putter, meist den Driver. Messen Sie von der Stelle des Balls zwei Schlägerlängen in beliebiger Richtung, aber nicht näher zum Loch. In diesem Bereich droppen Sie den Ball aus Kniehöhe. Die Stelle des Balls ist dabei der Ausgangspunkt der Messung.
Stand: Oktober 2026